Hans Mayer als Schirmherr der »New German Critique“

Einem Hinweis von Professor Jost Hermand aus Wisconsin bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Hans-Mayer-Gesellschaft (HMG) ist es zu verdanken, dass ein Treffen mit Professor Andreas Huyssen von der Columbia-Universität New York zustande kam.

Professor Hussen als aufmerksamer Zuhörer und Beobachter bei der Mosse-Tagung in Berlin
Professor Huyssen als aufmerksamer Zuhörer
und Beobachter bei der Mosse-Tagung in Berlin

Andreas Huyssen ist Villard Professor em. für deutsche Sprache und vergleichende Literaturwissenschaft und als Gründungsmitglied Mitherausgeber der New German Critique.

Anlässlich des 100. Geburtstags des Kulturhistorikers George L. Mosse hatten sich Anfang Juni in Berlin deutsche, israelische und US-Wissenschaftler getroffen, um über Mosses Forschungen und insbesondere seine Frage, wie es zum Faschismus in Europa kommen konnte, zu diskutieren. Einer der Vortragenden im Panel „Faschismus, Popularismus und Authoritarismus“ war – mit einem brillianten Beitrag – Andreas Huyssen der gern zu einem Gespräch über Hans Mayer am Rande der Konferenz bereit war.

Er berichtete von Hans Mayers Tätigkeit als Schirmherr bei der Gründung der »NGC«. Mayer hatte 1972-1973 die Carl Schurz Professur an der Universität von Wisconsin -Milwaukee (UWM) inne und unterstütze dort nachhaltig das Anliegen von Jack Zipes, David Bathrick und Anson G. Rabinbach die Zeitschrift zu gründen. Der Untertitel erklärte programmatisch den interdisziplinären Charakter des Journals sowie die beabsichtigte Ausweitung der Studien auf deutsche Kultur, Philosophie, Geistesgeschichte. Mayer, der 1972 den Ehrendoktortitel der Universität erhalten hatte, half zu überzeugen, dass die neue Zeitschrift äußerst förderlich für die Reputation der »UWM« sein würde. Schnell wurde offensichtlich, dass die Herausgeber auf der Basis eines Marxismus agierten, der auf kritischer Anknüpfung an die Tradition der “Kritischen Theorie” fußte. Adorno, Horkheimer aber auch Korsch, Bloch und Benjamin sowie Kracauer und Reich waren Autoren, auf die man sich bezog. Selbstverständlich fehlte auch nicht die Brecht-Lukács-Debatte, die zeitgleich in der Zeitschrift »Alternative« in Berlin geführt wurde.

Der erste Beitrag in der 1974 erschienen ersten Nummer stammte von Hans Mayer und trug den Titel „Heinrich Heine and German Ideologists“. In der zweiten Nummer erschien ein weiterer Beitrag Hans Mayers unter dem Titel „An Aesthetic Debate of 1951: Comment on a Text by Hanns Eisler“. Es gab übersetzte Beiträge von Adorno, Oskar Negt, und Reinhard Kühnl sowie einen Beitrag von Anson G. Rabinbach zum Thema „Toward a Marxist Theory of Fascism and National Socialism: A Report on Developments in West Germany“.

Im nächsten Jahr folgten u.a. ein Beitrag von Andreas Huyssen zu Adorno und ein Nachdruck von Karl Korsch zur sozialistischen Praxis neben einem Beitrag von Hans Mayer mit dem Titel „Thomas Mann and Bertolt Brecht: Anatomy of an Antagonism“.

Die Zeitschrift hatte durchaus den Blick auf beide Deutschlands. Mehrfach wurde diskutiert über Heiner Müller „Mauser“, zu Christa Wolf und Wolfgang Biermann wie Thomas Brasch. Wen all diese Sachverhalte genauer interessieren, der kann sie in dem Beitrag von Andreas Huyssen und Anson Rabinbach in der Nummer 95 der »NGC« nachlesen die 2005 erschienen ist. Dies ist ein Spezialheft zum 70. Geburtstag von David Bathrick, einem der Gründer der »NGC«, dessen Verdienste in der damals 30jährigen Existenz der Zeitschrift auch Jost Hermand in seinem Beitrag würdigt.

Hans Mayer hat während seiner Zeit in Wisconsin-Milwaukee seine Arbeit an dem Buch »Aussenseiter« begonnen. Er lernte dort übrigens George l. Mosse bei dessen Freund Jost Hermand kennen und schätzen.

In ihrem Abschlussbeitrag zur Mosse-Konferenz stellte Aleida Assmann unter Anknüpfung an Mosse fest: „Wir müssen jede Gesellschaft immer von dem Außenseiter, der er selber war, denken und aus seiner oder ihrer Perspektive die Gesellschaft beurteilen. Es ist die radikale Perspektive der Menschenrechte, die er da vertritt, und er sagt, es ist der Test einer demokratischen Gesellschaft, einer solidarischen Gesellschaft, wie sie mit dem Außenseiter umgeht.“

Wer die Artikel Hans Mayers lesen will, erhält sie unter den nachfolgenden links:
https://www.jstor.org/stable/487626
https://www.jstor.org/stable/487954?seq=1#page_scan_tab_contents

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