»Pallaksch« – Hölderlin in dürftiger Zeit

Göttliches Feuer auch treibet, bei Tag und bei Nacht, / Aufzubrechen. So komm! Das wir das Offene schauen.“[1] Mit diesem Zitat aus Hölderlins »Brot und Wein« beginnt Rüdiger Safranski seine Annäherung an Hölderlin, dessen 250. Geburtstag wir am 20. März feiern können.

„Was also ist das für ein Feuer, das in Leben und Poesie Hölderlins brennt?“ Dieser Frage geht Safranski in seinem lesenswerten und sehr informativen Buch nach. Wie bei seinen Freunden aus dem Tübinger Stift, bei Friedrich Wilhelm Hegel und Friedrich Schelling, ist es das Feuer der Französischen Revolution, der Geist der Freiheit, der ihn, Hölderlin, beflügelt.

Von der Mutter zum Theologiestudium mit dem Berufsziel Pfarrer ausersehen, wendet dieser sich der Philosophie zu und wird zum Dichter. Doch die unzureichenden gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse sowie die nicht ausreichende Unterstützung und Förderung Schillers, Goethes und anderer wie Fichte, wollen das großartig Neue des jungen Dichters nicht anerkennen. Sein hilfesuchender letzter Brief an Schiller wird nicht beantwortet. Interessant in diesem Kontext sind die Ausführungen Hans Mayers zu Schillers Elegie »Der Spaziergang« mit Hölderlins »Archipelagus« als Gegengedicht. Der „höfisch-bürgerliche Gesellschaftskompromiß“ der Generation Goethe und Schiller ist für die Generation von 1770 nicht mehr akzeptabel. Nach Mayers Sichtweise wird Hölderlins Dichtung zur „Gegenschöpfung“.

1801 nimmt Hölderlin eine Stelle in Bordeaux an. Schreibt, bevor er sich auf den Weg dorthin macht, an seinen gleichgesinnten Freund Casimir Ulrich Boehlendorff, der genau so wenig wie Hölderlin Zustimmung fand in seinem Vaterland: „Aber sie können mich nicht brauchen.“ Beide waren Dichter in „dürftiger Zeit“. Unter dieser Chiffre aus dem Gedicht »Brot und Wein« stellt Hans Mayer seinen Exkurs über Hölderlin in dem Buch »Das unglückliche Bewußtsein«. Er präzisiert: „Dürftige Zeit? Wohl eher ein Leben und Schaffen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Utopien und verlorenen Illusionen.“ [2] Es ist, so Mayer „ein revolutionäres Zeitalter, worin die Deutschen nicht als Subjekt auftreten, sondern zum Objekt werden.“[3] Hölderlin und seine Tübinger Freunde Schelling und insbesondere Hegel ebenso aber auch Beethoven verfolgen „teilnehmend und sehnsüchtig“ den Gang und die Auswirkungen der Französischen Revolution sowie die folgenden Kriege unter Napoleon.

Zurück aus Frankreich schreibt Hölderlin im November 1802 an den Freund Böhlendorff: „Mein Lieber! ich denke, daß wir die Dichter bis auf unsere Zeit nicht commentiren werden, sondern daß die Sangart überhaupt wird einen andern Karakter nehmen, und daß wir darum nicht aufkommen, weil wir, seit den Griechen, wieder anfangen, vaterländisch und natürlich, eigentlich originell zu singen.
Schreibe doch nur mir bald. Ich brauche Deine reinen Töne. Die Psyche unter Freunden, das Entstehen des Gedankens im Gespräch und Brief ist Künstlern nöthig. Sonst haben wir keinen für uns selbst; sondern er gehöret dem heiligen Bilde, das wir bilden.“[4]

Die Überlegung vom Dichter in „dürftiger Zeit“ – damals und heute führt Mayers Überlegungen zu Paul Celan und seinem Gedicht »Tübingen, Jänner«. Es geht Mayer bei der Interpretation des Gedichtes um einen Vergleich der dichterischen Möglichkeiten damals und jetzt. In einem Essay für Walter Jens hat Mayer das »Sprechen und Verstummen der Dichter«[5] u.a. am Beispiel »Tübingen, Jänner« interpretiert. Eine erhellende Lektüre sowohl in Bezug auf Hölderlin als auch Celan. Was unverständlich erscheint wird durch Mayers Interpretation klar. Bis hin zum Schlusswort des Gedichtes »Pallaksch«. In dem Hölderlin-Exkurs stellt Mayer abschließend fest: „Celans Gedicht handelt vom Dichter und der Dichtung in dieser Zeit. Es bezeichnet die Fallhöhe von Hölderlin zu Celan, die nicht als Dimensionsunterschied der Talente verstanden werden sollte, sondern als eine der Möglichkeiten, Gesehenes, Erinnertes, Verstandenes zur Sprache zu bringen. Ein Gedicht von er Dichtung, von der Sprache und dem progressiven Verstummen.“[6]

Für Hölderlin begann Ende 1802 der Weg in die „zweite Hälfte des Lebens“. Mit Unterstützung seines Freundes Sinclair wird er Hofbibliothekar in Homburg. Für den Landesvater, den Landgrafen von Hessen-Homburg, schreibt er die Hymne »Patmos«. Bekannt sind die Anfangszeilen: „Nah ist / Und schwer zu fassen der Gott. / Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch.“[7] Nicht allerdings für Hölderlin. Sein Freund und Unterstützer Sinclair wird wegen Hochverrat verhaftet. Statt in Kerkerhaft zu landen, wird Hölderlin in geistiger Verwirrung und mit einem entsprechend „fürsorglichem“, durch den Landgrafen veranlassten Gutachten, am 11. September 1806 gewaltsam in die Authenrit´sche Klinik nach Tübingen verfrachtet. Dort bleibt er bis zum 5. Mai 1807, 231 Tage. Dann beginnt die Turm-Zeit Scardanellis[8].

Peter Weiss hat in seinem Theaterstück »Hölderlin«[9] wieder aufgenommen, dass der Dichter am jakobinischen Traum seiner Jugend, dem „göttlichen Feuer“, festgehalten hat. Mayer stellt das Stück quasi als eine Synthese in der Nachfolge der beiden vorhergehenden Stücke »Marat« und »Trotzki« dar. Wie kann verändernde Praxis aussehen? Zwei Wege zur Vorbereitung einer grundlegenden Veränderung sind gangbar. Im Dialog zwischen Marx und Hölderlin werden sie dargestellt. Der eine Weg ist die Analyse der konkreten historischen Situation. Der andere die visionäre Formung tiefer persönlicher Erfahrung. Im Gegensatz zu Goethe, Schiller, Hegel und Schelling „als Vertretern der Alltagsvernunft“ steht Hölderlin für die utopische Permanenz der Revolution. „Die Revolution ist Hölderlins Wahn, aber damit ist sie gleichzeitig seine Vernunft.“[10] Für Hans Mayer stehen beide Wege nicht gegeneinander. Mit Thomas Mann ist er, entsprechend der Hölderlin-Interpretation von Pierre Bertaux[11] einig, dass beide Sichtweisen und Wege notwendig sind.

Heinrich Bleicher

[1] Rüdiger Safranski, Hölderlin – Komm! ins Offene, Freund, München 2019. Siehe: https://www.perlentaucher.de/buch/ruediger-safranski/hoelderlin.html

[2] Hans Mayer, Das unglückliche Bewußtsein – Zur Literaturgeschichte von Lessing bis Heine, Frankfurt am Main 1986, S. 341

[3] A.a.O., S.343

[4] Friedrich Hölderlin, Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente in zeitlicher Folge, herausgegeben von D. E. Sattler, Band 10, S.20

[5] In: Hans Mayer, Das Geschehen und das Schweigen – Aspekte der Literatur, Frankfurt am Main 1969, S. 11-34

[6] Hans Mayer, Das unglückliche Bewußtsein, S. 354

[7] Friedrich Hölderlin, Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente in zeitlicher Folge, Band 10, S.15ff

[8] Das „Pseudonym“ Hölderlins, mit dem er die meisten Turmgedichte gezeichnet hat.

[9] Peter Weiss, Hölderlin – Stück in zwei Akten, Frankfurt am Main 1971

[10] Hans Mayer, Die zweifache Praxis der Veränderung, in: Der andere Hölderlin- Materialien zum >Hölderlin<-Stück von Peter Weiss, herausgegeben von Thomas Beckermann und Volker Canaris, Frankfurt am Main 1972, S. 205-216

[11] Siehe: Pierre Bertaux, Hölderlin und die Französische Revolution, in: Der andere Hölderlin- Materialien zum >Hölderlin<-Stück von Peter Weiss, herausgegeben von Thomas Beckermann und Volker Canaris, Frankfurt am Main 1972, S. 65-100

 

Herzlichen Glückwunsch Pieke!

Mit ihrer grandiosen Übersetzung des Romans »Oreo« von Fan Ross hat Pieke Biermann den diesjährigen Preis für Übersetzungen der Leipziger Buchmesse gewonnen.
Hierzu gratuliert der Vorstand der Hans-Mayer-Gesellschaft seinem Gründungsmitglied sehr herzlich.
Pieke Biermann studierte Deutsche Literatur und Sprache bei Hans Mayer sowie Anglistik und Politikwissenschaft in Hannover und Padua. Seit 1976 ist sie freie Schriftstellerin und Übersetzerin, u.a. von Stefano Benni, Andrea Bajani, Dacia Maraini, Agatha Christie und Dorothy Parker. Nach dreimaliger Auszeichnung mit dem Deutschen Krimipreis ist ihr nun ein großartiger Erfolg mit der Übersetzung eines „Außenseiter“-Romans aus den 70er Jahren gelungen.
Das Urteil der Jury: „Fran Ross führt ihre Leser in ein widersprüchliches Amerika. Wie Pieke Biermann diesen temperamentvollen Text voller jiddischer Anleihen und Südstaaten-Slang übersetzt hat, ist ein einziger Genuss.“
Der DTV-Verlag über den Inhalt des Buches: „Oreo von Fran Ross ist ein bereits in den 70er Jahren erschienenes, kaum beachtetes, dann wiederentdecktes und jetzt übertragenes Buch über kulturelle Identitäten. Seine Autorin wurde 1935 als Tochter eines jüdischen Vaters und einer schwarzen Mutter geboren – wie ihre Romanheldin, die 16-jährige Christine, genannt „Oreo“, die sich in New York auf die Suche nach ihrem Vater begibt. Dort trifft sie unglaubliche Leute: einen „Reisehenker“, der Manager feuert, einen Radio-Macher, der nicht spricht, einen tumben Zuhälter und endlich auch ihren Vater. Nicht jeder ist ihr wohlgesinnt. Aber Oreo überlebt alles dank ihres selbsterdachten Kampfsports WITZ.“
Auf den inhaltlichen Kern von »Oreo« geht der in Berlin lebende Lyriker Max Czollek in seinem Nachwort ein:
„»Oreo« ist ein großartiger Versuch, der Komplexität menschlicher Identitäten gerecht zu werden – kein identitätspolitisches Statement, sondern eine literarische Antwort auf die damals wie heute brennende Frage nach Verbindungen zwischen angeblich Gegensätzlichem – beispielsweise Schwarz und Weiß oder Jüdisch und Nichtjüdisch -, die in den herrschenden Narrativen kaum vorkommen.“
Die Geschichte einer jungen, schwarz-jüdischen Frau, die, nachgedichtet dem griechischen Theseus-Mythos, im New York der 70ger Jahre auf der Suche nach ihrem Vater ist, hier beschreibend nachzuerzählen, wäre müßig. Man/frau sollte das Buch über den „feministischen Anti-Theseus“ einfach lesen, um in den grandiosen Genuss einer hochaktuellen Geschichte zu kommen.

Heinrich Bleicher-Nagelsmann

„Leben ist kein Gang durch freies Feld“

Erinnerungen an einen großen Roman der Weltliteratur – Im Zeichen des Archivierens

Von Anne Bendel

Anlässlich des heutigen 130. Geburtstages des russischen Dichters Boris Pasternak will die Hans-Mayer-Gesellschaft an jenen großen Roman der Weltliteratur erinnern, den Hans Mayer zum Anlass nahm, einen seiner umstrittensten Essays zu schreiben – Doktor Schiwago.

Im November 1962 erschien bei Rowohlt der Band Ansichten. Zur Literatur der Zeit: „Eine Sammlung größerer Aufsätze, von denen einige passieren mochten, sogar solche über Kafka oder Sartre. […] Unzumutbar hingegen war ein Text über den „Doktor Schiwago““.[1] Mayer hatte sich von Anfang an „auf vermintes Gelände“[2] begeben, als er sich in seiner Studie der Analyse des Doktor Schiwago zuwendete. „Mit ihr griff er seinerzeit ein in der Sowjetunion und ihrem Herrschaftsbereich hochbrisantes kulturpolitisches Thema auf. In der Sowjetunion war eine Veröffentlichung des Romans verhindert worden“[3], wie Leo Kreutzer in seinem Essay Doktor Schiwago anders gelesen konstatiert. Pasternak hat 1958 den Nobelpreis abgelehnt – aus zutiefst politischen Gründen. Für Hans Mayer konnte eine Beschäftigung mit Pasternaks Roman nur in einem Fiasko enden. Hans Mayer, der seit Ende 1956, kurz nach dem Ende des Ungarn-Aufstandes, wie viele Intellektuelle in der DDR, systematisch von der Staatssicherheit überwacht wurde, hatte es gewagt die „Nicht-Parteilichkeit“ des Jurij Schiwago ernst zu nehmen – zum Missfallen der Partei, wie man wusste. Klaus Schuhmann war derjenige, der sich in einem Diskussionsbeitrag offen und in aller Härte über Mayers Publikation äußerte.[4] Daneben erschienen Anfang Mai 1963 zwei Artikel einer Serie von insgesamt elf Artikeln, die bereits im Titel auf eine Kritik des Essays über Pasternak hindeuten: Christa Wolf oder Boris Pasternak von Roland Opitz, erschienen am 1. Mai 1963 in der Universitätszeitung Leipzig (UZ) sowie Kunst ohne Parteilichkeit? Bemerkungen zu einem Aufsatz über Boris Pasternaks „Doktor Schiwago“ von Walter Dietze und Wolfgang Neubert, erschienen am 16. Mai 1963, ebenfalls in der UZ. Am 30. Mai erschien der Artikel mit dem Titel Eine Lehrmeinung zu viel – „Die meinige nämlich“[5], wie Hans Mayer in seinem Memoiren schreibt. Dieser Artikel war, zusammen mit dem Affront gegen seinen Essay über den Doktor Schiwago sowie der Einladung Peter Hacks‘ zu einer Lesung im Hörsaal 40[6], letztlich der Auslöser für seine Übersiedlung in den Westen. Schon aus diesem Grund möchte ich an jenen großen Roman der Weltliteratur erinnern, der selbst schon, wie Mayer festhält, „ein Buch der Erinnerung“[7] ist.

Nachdem Mayer in seinem Essay Doktor Schiwago das von Marc Chagall eigens zerstörte Bild mit dem Titel Die Revolution eingehend interpretierte, hält er fest:
Liest man den großangelegten, derart heftig umstrittenen Roman, so will es scheinen, als sei Marc Chagalls Revolutionsbild von 1937 gleichsam eine malerische Vorwegnahme dessen gewesen, was Pasternak mit der Geschichte des Dr. Jurij Andreitsch Schiwago geben wollte: ein Buch der Erinnerung; eine Darstellung des Nebeneinander von Kontinuität und Veränderung; eine Aufzeichnung des Gesehenen und Erlebten ganz ohne Parteinahme.[8]

Mayers Beweisführung bringt zum Ausdruck, dass „das Grundthema des Pasternak-Romans […] das totale Nicht-Engagement des Menschen[9] ist. Er erkennt in „Schiwagos Bekenntnis zum Nebeneinander, zur Parteilosigkeit, zur Akausalität gesellschaftlicher Vorgänge […] das geheime Gestaltungsprinzip des Pasternak-Romans“[10], welches er anhand der Szenen während Schiwagos Gefangenschaft bei den Partisanen zwischen Liberij Mikulízyn, Partisanenführer, und Jurij Schiwago, erläutert. Dieses Nebeneinander ist auch ein Prinzip, welches sich auf das Konzept des Erinnerns in Pasternaks Roman anwenden lässt.

Als der erwachsene Medizinstudent Doktor Jurij Schiwago an das Bett der kranken Anna Iwanowna, Mutter seiner späteren Ehefrau Tonja, tritt und zu ihr spricht, um sie zu beruhigen, sagt er:
Aber was ist das Bewußtsein? […] Wenn man bewußt einschlafen wollte, so wäre Schlaflosigkeit die Folge. Der bewußte Versuch, sich in den Vorgang der eigenen Verdauung einzufühlen, würde zu sicheren Störungen des Organismus führen. Das Bewußtsein ist Gift, ein Mittel der Selbstvergiftung für das Subjekt, das es an sich selber zur Anwendung bringt. Das Bewußtsein gleicht den Scheinwerfern einer Lokomotive. Sowie sich dieses Licht nach innen wendet, wird eine Katastrophe die unweigerliche Folge sein.[11]

Schiwago erklärt hier das Bewusstsein zu etwas Äußerem. Es ist der nach Außen gerichtete Teil, der dem Menschen den Weg weist und in dem er in Erscheinung tritt:
Was wird also aus Ihrem Bewußtsein? […] Was sind Sie eigentlich? […] In welcher Weise haben Sie eine Erinnerung an sich selber, welchen Teil Ihres Organismus haben Sie bewußt erkannt? Ihre Nieren, Ihre Leber, die Gefäße? Nein, wie sehr Sie sich auch erinnern wollen,   Sie haben sich immer nur im Äußeren erkannt, in einem tätigen In-Erscheinung-Treten, in den Werken Ihrer Hände, in der Familie, in der Gemeinschaft. Jetzt bitte ich aufzumerken: der Mensch in den anderen Menschen, das ist die eigentliche Seele des Menschen. Das ist es, was Sie sind. Das ist es, was Ihr Bewußtsein geatmet hat, wovon es sich ernährte, was das Leben erfüllte. Ihre Seele, Ihre Unsterblichkeit, Ihr Leben in den anderen – und nun? In den anderen haben Sie gelebt, in den anderen werden Sie auch bleiben. Und was wäre es für ein Unterschied, wenn das später Erinnerung genannt wird? Sie wären es, die eingetreten ist in den Zusammenhang, in den Zustand des Künftigen.[12]

Der Andere ist hier Bedingung für das Leben des Einzelnen, für das In-der-Welt-Sein, aber auch für das Weiterleben – in den Anderen und somit im Gedächtnis und in der Erinnerung. Für Schiwago ist das Leben eine stetige Erneuerung und kommt damit einer Auferstehung gleich, die für ihn bereits mit der Geburt einsetzt. Der Tod existiert für Schiwago nicht. Er wird transzendiert, dadurch, dass das Leben in stetiger Erneuerung stattfindet: „Es wird keinen Tod geben, sagt der Evangelist Johannes, und nun hören Sie wie einfach er argumentiert: Es wird keinen Tod geben, weil das Vergangene vergangen ist.“[13] Dadurch, dass das Leben in stetiger Erneuerung stattfindet, wird auch Schiwagos eigener Tod in der Vorwegnahme transzendiert. Dieser Aspekt ist eng mit dem Konzept des Erinnerns verbunden – der Andere als Voraussetzung dafür, dass das gelebte Leben erinnert und damit erfahrbar wird. Dabei spielt das Archiv als Ort der Speicherung von Wissen und Erfahrung, aber auch als kulturelles Gedächtnis[14] eine virulente Rolle. Die Erfahrung des Anderen mit dem Archivgut, kommt dabei, ebenso wie bei Schiwago das Leben, einer Auferstehung gleich. Das gelebte Leben, welches archiviert wurde, wird durch den Anderen erweckt und mit neuem Leben gefüllt. Das Archiv ist jedoch nicht Bedingung dafür, dass ein Leben erinnert wird – es ist der Andere, der das Erinnern befördert – durch das Lesen, Rezipieren und Weitergeben der Erinnerung. Sowohl das Archiv als auch der Andere sind als Medium zu verstehen, durch das Hindurch die Erinnerung erfolgt. Damit wird die Erinnerung notwendigerweise modifiziert und verändert, allein deshalb, weil das Erinnern durch ein Medium geschieht.[15] Erinnerungen finden sich jedoch nicht nur in Archiven, sondern ebenso sehr in Büchern, Aufzeichnungen, in zerstörten Bildern, wie jenes von Chagall eigens zerstörte Revolutionsbild, in Erzählungen Anderer, oder an Orten, die nicht im Archiv verzeichnet sind und auch nie jenes erreichen werden. Das Archiv ist eine Möglichkeit, ein Leben zu konservieren und es exemplarisch zu vermitteln. Trotzdem darf es nicht als die einzige Möglichkeit angesehen werden, an ein Leben zu erinnern.

Im Fall des Doktor Schiwago wird das Weiterleben in den Anderen und damit die Erinnerung letztlich durch die Veröffentlichung seiner Gedichte erzeugt. Für Mayer sind die Gedichte am Ende des Romans nur Pasternak-Gedichte, „Verse Pasternaks, [in denen], der Dichter […] seinem Helden den eigenen dichterischen Rang [leiht] – und […] dadurch alle Konturen der Romangestalt [verwischt].“[16] Für Mayer letztlich nur „ein verzweifelter Ausweg aus dem Dilemma aller Künstlerromane der Bürgerwelt.“[17] Tatsächlich hat sich erst die jüngste Forschung mit dem fünfundzwanzig Gedichte umfassenden Zyklus[18] am Ende des Romans beschäftigt. Dagmar Burkhart legte im Jahr 2000 die erste in sich geschlossene Interpretation aller fünfundzwanzig Gedichte vor. In ihrer Analyse Doktor Schiwago – neu gelesen stellt sie den Gedichtzyklus am Ende des Romans nicht als bloßen Anhang dar, sondern verleiht diesem „ein semantisches und strukturelles Eigengengewicht“.[19] Durch die Veröffentlichung der Gedichte wird Schiwago als Dichter nicht nur erinnert, sondern „erlebt ein zweites, metaphysisches Dasein“.[20] Die Erinnerung an den Dichter Schiwago ist damit an das Moment der Erfahrung mit dem Dokument verbunden.

Kurz nach Schiwagos Tod bittet Jewgraf Lara, Schiwagos Geliebte, mit ihm den Nachlass seines Bruders durchzugehen. Sie geht auf dessen Wunsch ein. In der letzten Szene des Epilogs zeigt sich die Wirkung der Schriften Schiwagos auf dessen Freunde Gordon und Dudurov:
Sie blätterten in dem von Jewgraf zusammengestellten Heft der Schriften Jurijs […] Unter  ihnen lag Moskau, die Stadt, die den Verfasser hervorgebracht und sein halbes Leben bestimmt hatte! Dieses Moskau schien ihnen im Augenblick nicht nur der Schauplatz all dieser Geschehnisse zu sein, sondern die Heldin einer langen Epopöe, an deren Ende sie angelangt waren – an diesem Abend mit diesem Hefte in der Hand. Wenn auch der Sieg die erhoffte     Aufklärung und Freiheit nicht gebracht hatte, so gab es doch eine Vorahnung der Freiheit; […] Den beiden altgewordenen Freunden am Fenster wollte es scheinen, als sei diese innere Freiheit schon errungen, als habe sich die Zukunft gerade an diesem Abend spürbar über die Straßen von Moskau niedergesenkt und als seien sie selbst in diese Zukunft eingetreten. […] Das Buch, das sie in den Händen hielten, wußte das alles und gab ihren Empfindungen Bestätigung und Sicherheit.[21]

Schiwagos hinterlassene Schriften scheinen auf die Freunde wie eine Antizipation auf das Zukünftige zu wirken. Durch das Lesen der Schriften des Jurij Schiwago wird nicht nur der verstorbene Dichter Schiwago erweckt, sondern auch die beiden Freunde des Dichters, Gordon und Dudurov. Beiden scheint es, als ob die Zukunft nicht vor ihnen läge, sondern sich in jenem Moment der Gegenwart bereits manifestiert hat. Hierin spiegelt sich Schiwagos eingangs erläutertes Konzept der Erneuerung des Lebens in jedem Augenblick.

In der Lyrik wird dies noch einmal verstärkt sichtbar. Das Konzept der Erneuerung des Lebens findet in den Gedichten Bestätigung, schon dadurch, dass der Gedichtzyklus nach Jahreszeiten gegliedert ist. Der Frühling ist dabei die stärkste Jahreszeit, in der sich alles erneuert. Die Parallelität, das Nebeneinander, wie es schon bei Hans Mayer, jedoch zuallererst auf die Figur des Jurij Schiwago im Prosateil bezogen, erscheint, stellt bei Burkhart eine zentrale Kategorie bei der Analyse der Gedichte dar. Schon im ersten Gedicht Hamlet wird diese Parallelität sichtbar. Das Leben und die Auferstehung werden nebeneinander gestellt: „Doch durchdacht rückt Akt um Akt nun näher: / Nichts, das sich dem End entgegenstellt. / Bin allein. Ringsum nur Pharisäer. – / Leben ist kein Gang durch freies Feld.“[22] So wie Schiwagos Leben, war auch Hans Mayers Leben „kein Gang durch freies Feld“ – es war ein einsames Leben inmitten eines Jahrhunderts der Verwirrungen und Erschütterungen. Der Erfolg und das Scheitern stehen sich bei Hans Mayer, ebenso wie bei Schiwago das Leben und der Tod, nicht gegenüber, sondern bilden eine Einheit. Aus diesen Zeilen des Hamlet-Gedichts geht ferner hervor, das Prosateil und Gedichtzyklus des Doktor Schiwago eine Einheit bilden. Jeder Akt wird in poetischer Form nacherzählt und findet in den Gedichten seinen komplexen Ausdruck. Auch das Leiden, in Form des Leids Christi, steht immer wieder im Mittelpunkt der Gedichte. Burkhart schreibt: „Durch die Verschmelzung des lyrisch-dramatischen Helden, eines Schauspielers in der Rolle Hamlets, mit der Christus-Figur treten die Seme /Schwäche/, /Stärke/, /Selbsttranszendenz/ als /Opfer/ sowie /Auferstehung/ hervor.“[23]

Im Prosateil wird das Leiden zunächst in der Figur der Mutter verkörpert: „Dann erkrankte die Mutter, die immer leidend gewesen war, an Tuberkulose.“[24] Ab dem Moment des Todes der Mutter leidet auch der zu dem Zeitpunkt zehnjährige Jura. Der Tod der Mutter antizipiert das im Roman fortlaufende Leiden und Sterben durch den Bürgerkrieg und die Revolution. Juras Trauer wird erst durch seinen Onkel Kolja, Nikolai Nikoláitsch, besänftigt, der ihn nach dem Tod seiner Mutter aufnimmt. Die Entwicklung des jungen Jura wird maßgeblich durch seinen Onkel beeinflusst. Neben der Mutter ist das Leiden auch in der Figur der Lara Fjodorowna, Juras späterer Geliebten, verkörpert. Dies zeigt sich schon früh in der Beziehung zwischen Lara und dem Rechtsanwalt Victor Ippolitowitsch, Komarovskij, der als Freund des verstorbenen Vaters, Lara und ihre Familie „unter seinen Schutz genommen hatte.“[25] Jura scheint die eigentümliche Beziehung zwischen Lara und Komarovskij bereits zu erahnen, als er Lara in seiner Jugend zum ersten Mal begegnet, ohne zu wissen, wer sie ist:
“Jura verschlang die beiden mit den Augen. Aus dem halbdunklen Vorraum, wo niemand ihn bemerkte, starrte er wie gebahnt in den Lichtkreis der Lampe. Die Szene zwischen dem gefangenen Mädchen und seinem Meister war unsagbar geheimnisvoll und furchtbar entlarvend. Neue und widersprechende Empfindungen drängten sich schmerzhaft in Juras Brust zusammen.[26]

Einerseits ist Jura von der Anziehungskraft Laras fasziniert, andererseits scheint es ihn zu erschrecken und zu schmerzen. Er erkennt, dass Lara eine Gefangene ist. Jahre vergehen, bis er sie auf einer Weihnachtsfeier, nachdem Lara einen Mordanschlag auf Komarovskij zu verüben gedachte, erneut sieht:
Als er sie sah, war Jura nahe daran, die Besinnung zu verlieren. ‚Sie also ist es! Und wieder unter außergewöhnlichen Umständen! […] sie war es also, die geschossen hatte? Auf den Staatsanwalt! Bestimmt gehörte sie irgendwie zu den ‚Politischen‘. Die Arme! Diese Sache wird ihr nicht gut bekommen. Wie stolz und schön sie ist! Diese Teufel aber ziehen sie an den Händen; sie verdrehen ihr die Arme wie einer überführten Diebin.‘ Doch hierin täuschte er sich.”[27]

Dass Lara nicht aus politischen Gründen, sondern aus zutiefst persönlichem Leid handelte, konnte Jura nicht ahnen. Er empfindet Mitleid, bleibt jedoch passiver Beobachter. Laras Leiden wird durch das Motiv des Teufels verstärkt. Es vergehen wieder einige Jahre bis Jura und Lara sich inmitten der Kriegswirren in einem Lazarett zum ersten Mal tatsächlich begegnen. In den weiteren Begegnungen zwischen Lara und Jura, die darauf folgen, wird das durch Tod und Zerstörung, durch Revolution und Bürgerkrieg hervorgerufene Leiden transzendiert:
“Noch mehr aber als die Seeleneinheit einte sie der Abgrund, der sie von der übrigen Welt trennte. Ihnen beiden war alles fatal Typische am heutigen Menschen gleichermaßen verhaßt – seine erzwungene Begeisterung, sein schreiendes Pathos und jene Ohnmacht, die in all den zahllosen Arbeiten in Kunst und Wissenschaft zum Ausdruck kam, während das Genie nach wie vor eine ganz große Seltenheit blieb. Ihre Liebe war sehr groß. Alle Welt liebt, ohne das Einmalige des Gefühls gewahr zu werden. Aber sie, und darin bildeten sie eine Ausnahme, empfanden und erkannten in jenen Augenblicken, da wie der Hauch des Ewigen sich der Atem der Leidenschaft über ihr todgeweihtes Dasein legte, immer neue Geschehnisse über sich selbst und über ihr Leben.”[28]

Hierin drückt sich das „Bekenntnis zum Nebeneinander, zur Parteilosigkeit, zur Akausalität gesellschaftlicher Vorgänge“[29], wie es Hans Mayer konstatierte, des Jurij Schiwago wie auch der Lara aus. „Erzwungene Begeisterung“, „schreiendes Pathos“, „jene Ohnmacht“ des modernen Menschen, waren beiden verhasst und so findet eben jenes oben erwähnte Bekenntnis in ihrer Liebe den höchsten transzendentalen Ausdruck. Die gegenseitige Liebe zwischen Jura und Lara ist dabei eng mit dem Leiden verbunden. Das Leiden findet seinen Höhepunkt mit dem Tod des Jurij Schiwago. So spricht Lara, als sie von Jura Abschied nimmt:
“Erinnerst du dich, wie ich damals im Schnee von dir Abschied nahm? Wie hast du mich getäuscht! Wäre ich denn je ohne dich gefahren? Oh, ich weiß, du tatest es meinetwegen, aber    es ging über deine Kraft. Und dann brach alles zusammen. O Gott, was habe ich erleben und erleiden müssen! Aber von alldem weißt du nichts. Oh, was habe ich angerichtet, was hab ich angerichtet! […] Die Seele findet keine Ruhe vor Qual und Reue. Aber das Wesentliche sage ich nicht; das enthülle ich nicht. Davon zu sprechen geht über meine Kraft.[30]

Kurz vor ihrem Verschwinden enthüllt Lara ihr Geheimnis dem Bruder Schiwagos. Mit dieser Szene endet der Roman. Das Geheimnis, welches Lara Jewgraf enthüllt, ist das Bekenntnis zu ihrem gemeinsamen Kind mit Jura, mit dem Namen Tanja, welches in den Wirren des Krieges verschollen ging. Zuvor hatte sie Jewgraf gebeten ihr in einer Angelegenheit zu helfen: „Es geht um ein Kind. Doch davon später, wenn wir aus dem Krematorium zurück sind.“[31] Jewgraf verspricht ihr zu helfen. Erst Jahre später findet Jewgraf Tanja, als Wäscherin arbeitend, bei den Freunden Gordon und Dudurov und erkennt in ihr die Tochter von Lara und Jura. Durch die Herausgabe der Gedichte wird nicht nur die Erinnerung an den Dichter Schiwago aufrechterhalten, sondern gleichsam an seine Geliebte Lara. Diese Liebe wird in den Gedichten in Erinnerung gerufen und mit neuem Leben gefüllt. Gerigk fasst zusammen:
“Im Zentrum [des Romans] geht es um die Liebesgeschichte eines verheirateten Arztes, Jurij  Schiwago, mit einer ebenfalls verheirateten Frau, Lara Antipowa. Nur für kurze Zeit erleben sie die Idylle einer ungestörten Zweisamkeit inmitten der politischen Wirrnis des Bürgerkriegs zwischen „Revolution“ und „Gegenrevolution“. Danach werden sie durch den Lauf der Dinge für immer voneinander getrennt. Lara sieht ihren Jurij nur noch als Leiche wieder. Innerlichkeit und Außenwelt stehen sich unversöhnlich gegenüber. Und so kann Jurij Schiwago die Wirklichkeit seiner Seele (die für einen ewigen Augenblick mit Lara real wurde) nur in seinen Gedichten vor einer Zerstörung durch die Außenwelt retten.[32]

Die Gedichte sind also nicht nur an das biblische Moment der Auferstehung und die in der Natur durch das Frühlingserwachen sich vollziehende Erweckung geknüpft, sondern gleichfalls an das Moment der erwachenden Liebe sowie der schmerzvollen Trennung. Der Gedichtzyklus ist als „Speicher“ zu verstehen, der die im Prosateil geschilderten Ereignisse konzentriert darstellt, sie archiviert und für die Nachwelt konserviert. „Die Dichtung“, so schreibt Horst Jürgen Gerigk in seinem Aufsatz Pasternaks Doktor Schiwago und Dantes Vita Nuova: ein poetologischer Vergleich, „erlöst das Leben vom Tod.“[33]

Anhand dieser Ausführungen sollte demonstriert werden, dass das Nebeneinander von Leben und Tod, Geburt und Auferstehung sowohl für die Analyse des Prosateils als auch des Gedichtteils zentral sind. Weil durch die Romanstruktur die Gedichte am Ende in einem geschlossenen Zyklus gezeigt werden, und wie erläutert wurde, sich dieser auf die Geschehnisse im Prosateil bezieht, können Prosateil und Gedichtzyklus nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Die Parallelität von Prosateil und Gedichtzyklus ist entscheidend um das Konzept des Erinnerns zu verstehen. Insgesamt ist Doktor Schiwago in „seiner ganzen poetischen Struktur auf ein Speichern und Erinnern bewahrungswerter Kulturbestände angelegt[er] [Roman]“, wie Andreas Guski in seiner Einführung über den Doktor Schiwago zusammenfasst. Weil dem so ist, müssen wir uns dem Bewahren widmen und an jenen großartigen Dichter Boris Pasternak erinnern, der heute, am 10. Februar 2020, 130 Jahre alt geworden wäre.

[1] Hans Mayer: Ein Deutscher auf Widerruf, Bd. II. Frankfurt a. Main, Suhrkamp: 1988, S. 244
[2] Leo Kreutzer (Hg.): Doktor Schiwago anders gelesen. Hans Mayers Leipziger Selbstbehauptung. In: Anders gelesen. Essays zur Literatur. Erlangen, Wehrhahn: 2011, S. 128
[3] Ebenda
[4] Vgl. Mark Lehmstedt: Dokumente 1956-1963. Leipzig, Lehmstedt Verlag: 2007, S. 477 (Original TY: SächsStA Leipzig, Nr. IV/A/4/14/057; UAL R 23, S.74-81)
[5] Mayer: Ein Deutscher auf Widerruf, Bd. II, S. 255
[6] Am 13. Dezember 1962 liest der Schriftsteller und Dramatiker Peter Hacks in Leipzig auf Einladung des Institutsleiters der Deutschen Literaturgeschichte, Hans Mayer, aus seinem Stück Die Sorgen und die Macht:  „Des Blondschopfs Stunde war gekommen. Zumal ich, als genügte sie nicht, die schlimme Sache mit Pasternak und Schiwago, alles noch schlimmer machte, indem ich mich außerdem noch für Peter Hacks einsetzte und sein offiziell stark befehdetes Theaterstück „Die Sorgen und die Macht““, so Mayer in seinen Memoiren. Weiter schreibt Mayer: „Hacks las bei uns zur selben Stunde, da Walter Ulbricht in seiner Geburtsstadt Leipzig in der Kongreßhalle eine richtungsweisende Rede hielt, die auch eine Verdammung des Theaterstücks über die Sorgen und die Macht einschloß.“ Mayer: Ein Deutscher auf Widerruf, Bd. II, S. 244ff
[7] Mayer: Doktor Schiwago. In: Ansichten. Zur Literatur der Zeit. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt: 1962, S. 206
[8] Ebenda, S. 207
[9] Ebenda, S. 212
[10] Ebenda, S. 208
[11] Pasternak, S. 83f
[12] Ebenda
[13] Ebenda, S. 84
[14] Vgl dazu u.a.: Aleida Assmann: Archive im Wandel der Mediengeschichte. In: Knut Ebeling/Stephan Günzel (Hg.): Archivologie. Theorien des Archivs in Philosophie, Medien und Künsten. Berlin, Kadmos: 2009
[15] Vgl. Georg W. F. Hegel.: Phänomenologie des Geistes. Paderborn, Voltmedia: 2005, S. 69f.: „Oder ist das Erkennen nicht Werkzeug unserer Tätigkeit, sondern gewissermaßen ein passives Medium, durch welches hindurch das Licht der Wahrheit an uns gelangt, so erhalten wir auch so sie nicht, wie sie an sich, sondern wie sie durch und in diesem Medium ist.“
[16] Mayer: Doktor Schiwago, S. 224
[17] Ebenda
[18] Zur Forschungslage der Analyse der Gedichte als Zyklus, siehe Dagmar Burkhart: „Doktor Ziwago“ – neu gelesen. In: Ulrike Jekutsch, Walter Kroll (Hg.): Slavische Literaturen im Dialog. Festschrift für Reinhard Lauer zum 65. Geburtstag. Wiesbaden, Harrassowitz: 2000, S. 310f
[19] Ebenda, S. 309
[20] Ebenda, S. 329
[21] Ebenda, S. 607f
[22] Pasternak, S. 609
[23] Ebenda
[24] Pasternak, S. 11
[25] Ebenda, S. 30
[26] Ebenda, S. 76
[27] Ebenda, S. 104
[28] Ebenda, S. 467f
[29] Mayer: Doktor Schiwago, S. 208
[30] Pasternak, S. 589
[31] Ebenda, S. 584
[32] Hans Jürgen Gerigk: Pasternaks Doktor Schiwago und Dantes Vita Nuova: ein poetologischer Vergleich. https://www.horst-juergen-gerigk.de/aufs%C3%A4tze/pasternaks-doktor-schiwago-und-dantes-vita-nuova-ein-poetologischer-vergleich/, abgerufen am 09.12.2019. Gerigk analysiert in diesem Aufsatz die These, dass Dantes Vita Nuova ein poetologisches Vorbild für Pasternaks Doktor Schiwago gewesen sei. Dabei setzt er die Gedichte ins Zentrum seiner Analyse. Er geht davon aus, dass Schiwagos Leben in der Dichtung „seinen wahren Ausdruck gefunden hat: verdichtet zur Dichtung“. In Dantes Vita Nuova geschieht etwas Ähnliches. Gerigk erklärt, wie Dantes Liebe zu Beatrice ihn durch ihren Anblick „in eine von nun an sein Leben beherrschende Fixierung auf Beatrice“ versetzt. Dante fängt an, dies in einem oder mehreren Gedichten zu verzeichnen. So entsteht der Vergleich zu Pasternaks Doktor Schiwago. Letztlich argumentiert Gerigk, dass durch den Vergleich zu Dantes Vita Nuova, Pasternaks Roman „in die literarische Reihe der großen Liebesgeschichten des Abendlandes“ rückt. Dies ist eine interessante Wendung im Vergleich zu Hans Mayers Interpretation, der die Gedichte, wie oben erwähnt, als bloße Verse Pasternaks ansah und ihren Stellenwert für die Romangestalt Schiwago unterbewertet.
[33] Ebenda.

»Wir alle sind Leonore«

Der Regisseur Volker Lösch hat zum Jubiläumsjahr Beethovens »Fidelio« an der Bonner Oper in die Türkei verlegt. Auf Nachfrage der Zeitung »Die Zeit« erklärt er:

„Die Welt, die hier geschildert wird, ist ein großes Gefängnis. Und die Türkei ist in Europa das aktuelle Beispiel für einen autokratisch geführten Staat, in dem Regime­gegner durch Willkürjustiz im Gefängnis verschwinden und die Gewaltenteilung auf­gehoben ist. Wenn man mit Beteiligten spricht, wird einem bewusst, dass in der Tür­kei letztlich jede demokratische Rechtsprechung aufgehoben ist. Es liegt also auf der Hand, Fidelio dort spielen zu lassen. Die Figur des Florestan ist jemand, der die Wahrheit gesagt hat, heute könnte es ein Journalist sein, der daraufhin ohne Prozess in Isolationshaft gesteckt und gefoltert wird.“[1]

Nach Auffassung des Kulturredakteurs des Kölner Stadtanzeiger, Markus Schwering, dem als „politisches Statement … die Inszenierung vergleichsweise schlicht“, auf Grund eines „zweifellos wirkungsintensiven Schwarz/Weiß-Schemas“ erscheint, zeigt sie jedoch Oper „so aktuell wie noch nie“. Er kann also nicht umhin, der Inszenierung – mit einem deutlichen Lob für das Beethovenorchester unter Dirk Kaftan – Anerkennung auszusprechen, da sie tagespolitisch hochaktuell die Rele­vanz des Werkes gegen das Konsumbewusstsein eines „schönen“ Abends setzt.[2]

Erhellend sind durchaus auch seine angesprochenen Bezüge zur Wagnerschen »Ring«-Tetralogie und zum »Freischütz« von Carl Maria von Weber. Es scheint, als habe er bei Hans Mayer und dessen Ausführungen zu Beethovens nachgelesen. So heißt es in »Beethoven und das Prinzip Hoffnung«: „Pizarro lebt, wir alle wissen es. Auch Alberich hat die Götterdämmerung überlebt.“[3] Und präziser in »Der geschichtli­che Augenblick des »Fidelio«: „Pizarro ist wirklich, in jedem Augenblick auch unseres Daseins nach wie vor lebendig. Er hat überlebt.“[4] Im Vergleich mit dem Freischütz er­läutert Mayer auch den konkreten historischen Bezug der Entstehung des Fidelio im Kontext der französischen Revolution; es ist ein großer geschichtlicher Augenblick, „eine Konstellation, da das Prinzip Hoffnung ins Bewußtsein tritt“[5]. Leonore bedeutet in Hans Mayer Auffassung „die Vermenschlichung des Prinzip Hoffnung“[6]

Lösch erklärt in dem »Zeit«-Interview: „…sie und ich, wir alle sind Leonore. Leonore macht das, was wir auch machen würden, wenn wir Probleme mit einem System oder einer Justiz hätten, die unschuldige Freunde und Verwandte wegsperrt: Sie er­greift Partei. Als sie erfährt, dass Florestan sie nicht mehr erkennt, halb tot, wie er ist, beschließt sie, sich auch für die anderen Gefangenen einzusetzen. Ihr Weg führt sie vom Einzelschicksal hin zum Engagement für viele, vom Privaten zum Gesellschaftli­chen. Dieser Befreiungsimpuls springt am Ende auf die gesamte Gesellschaft über. Die Botschaft dieser Oper lautet: »Habe Mut, lass dich von niemandem einschüch­tern, und setze dich für die Freiheit aller ein. Dann kann das scheinbar Unmögliche möglich werden.« Wenn wir also Leonore sind, steckt in uns das Potenzial zur Verän­derung. Ganz konkret: persönliches und politisches Engagement, wenn’s sein muss, unter Lebensgefahr.“

An einer ganz anderen Stelle in seinem Werk, im Buch zu »Thomas Mann« geht Mayer noch einmal explizit auf Beethovens Musik ein. In Manns »Doktor Faust«, geschrieben im Exil zwischen 1943 und 1947, wird am Beispiel des Tonset­zers Adrian Leverkühn, in einem anderen geschichtlichen Augenblick, das Ende der bürgerlichen Kultur bezogen auf den Untergangsprozess der bürgerlichen Gesell­schaft entwickelt. „Das ist ein Buch vom Faschismus und ein Buch von den musikali­schen Elementen im deutschen Leben“, so Mayer[7]. Im Werk Leverkühns wird Beethovens Musik quasi zerstört. „Mit zunehmender Krankheit und Vereisung wird nicht bloß die musikalische Romantik [Beispiel »Freischütz«, HB] immer höhnischer zu­rückgewiesen, sondern überhaupt alle Musik, die noch zu Menschen und Herzen sprechen könnte. Es geht um die »Zurücknahme« der Neunten Symphonie, um eine Neunte Symphonie der Inhumanität.“[8] Der Teufel in Thomas Manns Roman argu­mentiert zeitweilig unter der Maske Adornos. Dieser hat Thomas Mann bei seinem Werk umfassend über die Musik beraten. Hans Mayer führt hierzu Erhellendes aus.

Umfassender hat Jost Hermand Adornos Position zu Beethoven in dem jüngst neu aufgelegten und erweiterten Werk ausgeführt. Unter dem Titel »Der vertonte Weltgeist« analysiert er Theodor W. Adornos nachgelassene Beethovenfragmente.[9] Dabei kommt er zu dem Ergebnis: „Diesem widerspruchsvollen Entwicklungslauf der Geschichte, der sich in Beethovens Musik auf eine zutiefst erregende Weise widerspiegelt, allerdings allein mit dem hegelschen Prinzip der Dialektik nahekommen zu wollen,… erscheint mir, so fruchtbar manche der damit verbundenen Einsichten auch sein mögen, auf weite Strecken höchst forciert.“

In acht dezidierten Untersuchungen von Beethovens Werken im Verlauf der Ge­schichte von der französischen Revolution bis zum reaktionären Ungeist der Metter­nich-Ära analysiert Jost Hermand mit umfassender historischer und musikalischer Kompetenz das Werk Beethovens, der „seinen früheren, weitgehend aufmüpfigen Freiheitshoffnungen“ treu geblieben ist. Äußerst lesenswert wird dies auch an Unter­suchungen zur Wirkungsgeschichte, die sich bis zu Fidelio-Inszenierungen im Span­nungsfeld zwischen Werktreue und Bearbeitung erstrecken. Man betrachte es nicht als „Eigenwerbung“, wenn dieses Buch des Gründungsmitgliedes der Hans-Mayer-Gesellschaft nachdrücklich zur Lektüre empfohlen wird.

Schließen möchte ich diese ersten Ausführungen zum Beethovenjahr mit den Worten Hans Mayers: „Der geschichtliche Augenblick des »Fidelio« war rasch vergangenen. Das Werk ist geblieben. Wer für sich dabei einen schönen Opernabend erwartet und nachher darüber räsoniert, ob Sopran und Tenor ihre Sache gut gemacht haben, hat dies einzigartige Werk nicht verstanden. Er hat dann – leider – auch sich selbst (uns selbst!) nicht verstanden: die Zeitgenossen unserer eigenen Tage und ihrer Tages­nachrichten.“[10]

[1] Die Zeit Nr. 2, S. 48 https://www.zeit.de/2020/02/beethoven-fidelio-volker-loesch-oper-bonn

[2] Siehe https://www.ksta.de/kultur/beethoven-jahr-beginnt-eine–fidelio–inszenierung-als-protest-gegen-erdogan-33687616 und

KStA vom 4./5. Februar Seite 4 „Oper – so aktuell wie noch nie“

[3] In Hans Mayer, Versuche über die Oper, Frankfurt 1981, S. 89, Schwering schreibt „Auch Alberich übersteht bekanntlich den Sturz der Götter“. Die entscheidenden Differenzen zwischen dem Schluss des »Freischütz« und des »Fidelio«, die Mayer klar benennt, führt er aber nicht an.

[4] Hans Mayer, Der geschichtliche Augenblick des »Fidelio«, in Hans Mayer, Augenblicke, Frankfurt am Main 1987, S. 305

[5] Wie Fußnote 3, S.87

[6] Wie Fußnote 4, S.304

[7] Hans Mayer, Kulturkrise und Neue Musik, in: ders., Ein Denkmal für Johannes Brahms, Frankfurt 21993, S. 203

[8] Hans Mayer, Thomas Mann, Frankfurt am Main 1980, S.305

[9] In: Jost Hermand, Beethoven – Werk und Wirkung, Wien, Köln Weimar 2020, S. 212 – 227

[10] Wie Fußnote 4, S. 307

„Mit allen Mitteln der Überzeugung gegen den Nazismus kämpfen“

„Die Verfolgten des Naziregimes … stehen jetzt eng zusammen, weit über die politischen Parteien, die gesellschaftlichen Klassen und die religiösen Bekenntnisse hinweg. Sie bildeten gestern eine Gemeinschaft der Opfer der Verfolgten. Heute bilden sie eine Gemeinschaft der Warner und der politischen Kämpfer“, erklärte Hans Mayer, 1. Landesvorsitzender und Gründungsmitglied der VVN Hessen, am
13. März 1947 in der Frankfurter Rundschau. Zwei Tage später eröffnete er die
1. Interzonale Länderkonferenz der VVN in Frankfurt am Main. Dort schlossen sich die in allen Zonen Deutschlands existierenden Verbände zum gesamtdeutschen Rat der VVN zusammen. Politische Probleme eines nachfaschistischen Deutschlands waren die Hauptthemen.

Die damals in Anlehnung an den Schwur von Buchenwald formulierten Ziele sind nach mehr als 70 Jahren immer noch auf der Tagesordnung. Gerade die jüngsten politischen Entwicklungen, eher unzureichend benannt mit den Ereignissen in Chemnitz, Wolfhagen bei Kassel und Halle, zeigen die Notwendigkeit der damals formulierten antifaschistischen Aktivitäten:

  • für Lernen aus der Vergangenheit;
  • für die Vision einer antifaschistischen Zukunft;
  • für eine Welt ohne Rassismus, Antisemitismus, Nazismus und Militarismus, ohne Ausgrenzung, ohne Faschismus und Krieg.

Umso unglaublicher erscheint die Entscheidung des Berliner Finanzamts der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) die Gemeinnützigkeit zu entziehen[1]. Die Begründung, fußend auf einer unbewiesenen Feststellung im Verfassungsschutzbericht von Bayern mit der Vermutung der dortigen VVN-BDA als extremistischer Organisation, ist mit der Umdrehung der Beweislast aberwitzig.

In einem offenen Brief an den Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat die VVN-BdA-Ehrenvorsitzende Esther Bejarano den Finger in die Wunde gelegt. »Wohin steuert die Bundesrepublik? Das Haus brennt – und Sie sperren die Feuerwehr aus!, wollen der größten und ältesten antifaschistischen Vereinigung im Land die Arbeit unmöglich machen? Diese Abwertung unserer Arbeit ist eine schwere Kränkung für uns alle. „Die Bundesrepublik ist ein anderes, besseres Deutschland geworden“, hatten mir Freunde versichert, bevor ich vor fast 60 Jahren mit meiner Familie aus Israel nach Deutschland zurückgekehrt bin. Alten und neuen Nazis bin ich hier trotzdem begegnet … Entscheidet hierzulande tatsächlich eine Steuerbehörde über die Existenzmöglichkeit einer Vereinigung von Überlebenden der Naziverbrechen?“«[2]

Wie wichtig für die VVN die Kulturfrage im befreiten Deutschland war, zeigte sich auch daran, dass Hans Mayer als hessischer Landesvorsitzender an dem 1. Deutschen Schriftstellerkongress im Oktober 1947 in Berlin teilnahm.

Hans Mayer, eröffnete als promovierter Jurist und Landesvorsitzender der VVN Hessen 1948 die Internationale Juristen-Konferenz des Rates der VVN. Er stellte fest: „Das Problem des Verhältnisses von Recht und Moral, die Auffassung von Problemen der Demokratie, auch die Auffassung von völkerrechtlichen Strukturen Europas…sind heute weitgehend auch politische Themen.“ Macht man sich dies auch bei den der heutigen Problematik zugrunde liegenden Verhaltensweisen der regierenden Parteien deutlich, wird klar: Hinter dem Vorgehen des Bundesfinanzgerichtshofes das allgemeinpolitische Mandat zur Aberkennung der gemeinnützigen Körperschaften wie bei attac geltend zu machen, steckt eine Strategie der politischen Klasse die demokratischen Kräfte der Zivilgesellschaft und ihre Wirkungsmöglichkeiten auszuhebeln.

Noch einmal Hans Mayer: „Unsere Aufgabe ist es, über alle Parteien, Bekenntnisse und Abstammungen hinweg eine Vereinigung der Menschen zu schaffen, die warnen, die aufpassen, die den Zeigefinger heben, und die schreien, und die notfalls mit allen Mitteln der Kraft der Zahl und der Überzeugung, die sie verkörpern, der Welt zeigen, wie notwendig es ist, gegen den Nazismus zu kämpfen.“[3] In Anerkennung seines lebenslangen Kampfes für Demokratie und Humanität wurde dem langjährigen, immer wieder gegen Faschismus und Neofaschismus warnenden Hans Mayer zwei Jahre vor seinem Tod im Mai 1999 die Ehrenmitgliedschaft der VVN-BdA verliehen.

[1] Siehe u.a. https://taz.de/VVN-BdA-erlebt-Mitgliederboom/!5641537/

[2] https://vvn-bda.de/offener-brief-von-esther-bejarano-an-olaf-scholz-das-haus-brennt-und-sie-sperren-die-feuerwehr-aus/

[3] „Der historische Anspruch des deutschen Widerstandes, in: Ulrich Schneider Zukunftsentwurf Antifaschismus, Bonn 1997

Die Richterin und der «Anarchist»

Dankrede der Preisträgerin Foto: hbn

Die Schriftstellerin und promovierte Juristin Juli Zeh hat am 8. November 2019 den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln erhalten. In ihrer Dankrede[1] ging sie auf die Rolle des politischen Schriftstellers in der Gesellschaft, ausgehend „vom Fluchtpunkt «Heinrich Böll» ein und nahm „die jüngere Entwicklung von politischer Autorenschaft … während der letzten zwanzig Jahre, in den Blick“. Sie stellte fest: „Literatur und zu einem gewissen Grade auch die Literaten selbst, sind Zeitgeist-Seismographen. Ob die Autoren wollen oder nicht – in ihrem Denken, Reden und Schreiben scheint immer auch eine verdichtete Form von kollektiver Befindlichkeit auf…. Die Frage nach dem Zustand politischer Autorenschaft misst also gleichzeitig dem gesamtgesellschaftlichen politischen Selbstverständnis den Puls.“ Zu Beginn des 21. Jahrhunderts konstatiert sie eine „flächendeckende De-Politisierung von Nachwuchsschriftstellern und anderen Intellektuellen … als eine überhebliche Abwendung des Individuums von der Gemeinschaft. Am treffendsten fasst man es mit einem auf den ersten Blick oberflächlichen, auf den zweiten jedoch verdammt abgründigen Begriff: Politik war irgendwie “uncool” geworden.“

Zunehmend wurde „Politikverdrossenheit zur mehrheitsfälligen Politikverachtung“. Und weiter: „Auf einmal waren die Intellektuellen nicht mehr nur auf coole Weise desinteressiert an Politik – sie waren ausdrücklich dagegen. Nicht gegen ein bestimmtes politisches Programm (das sie ja auch gar nicht gelesen hatten), sondern gegen Politik an sich. Vor allem gegen Politiker, alle Politiker, die immer unverfrorener als minderwertiger Menschenschlag geschildert wurden.“

Unter Bezug auf Heinrich Böll stellt Juli Zeh dazu fest:

„Man muss sich nur einmal vor Augen halten, wie kilometerweit dieses verächtliche Benehmen, diese zynischen Äußerungen entfernt sind von dem, was einst Heinrich Böll unter politischem Engagement verstand. Böll war ganz bewusst kein Mitglied einer Partei. Auch war er genug Kind seiner Zeit, um jeder Form von Obrigkeit mindestens skeptisch gegenüberzustehen. Er wird teilweise sogar als Anarchist bezeichnet, was ich persönlich nicht so treffend finde. Oder höchstens in dem Sinn, in dem Böll selbst den Anarchisten definiert hat, nämlich als einen „Menschen, [der] verschiedene Lebensstile und Interessen in einer Gesellschaft (zusammen)denken“ kann. Bei allem gepflegten Einzelgängertum – Heinrich Böll vertrat zeit seines Lebens das Ideal des aufgeklärten, verantwortungsbewussten Citoyens. Er wirkte im Herzen der bundesrepublikanischen Demokratie und nicht gegen sie.“

Über das, was Bölls Verständnis von Anarchismus war, hätte Juli Zeh in der Dankesrede des ersten Böll-Preis-Trägers, Hans Mayer, fündig werden können.[2] Dort verweist Mayer auf das Vorwort Bernd Balzers zum ersten Band von Bölls gesammelten Romanen und Erzählungen. Es steht unter dem Titel »Anarchie und Zärtlichkeit«. Bölls Verständnis davon wird am Beispiel seiner Werke ausführlich analysiert. Unter Bezug auf einen seiner letzten großen Romane «Gruppenbild mit Dame» heißt es dort: „Das Modell einer – weiterhin anarchistisch strukturierten – Gegengesellschaft ist nach Bölls Ansicht »realisierbar, wenn Solidarität entsteht mit gleichzeitiger Analyse der Umwelt. Nicht auf romantische Weise …man muß schon ganz genau wissen, in welcher Welt man lebt…. Als eine »profitlose und klassenlose Gesellschaft« will er dieses Modell verstanden wissen;…“[3]

Hans Mayer in seiner Dankesrede: „Leni Gruyten und Katharina Blum stehen für viele. Hier hat einer, in unseren Tagen, das alte Thema »Köln und die Literatur« neu behandelt. Nichts ging verloren von der plebejischen Tradition, von der Parteinahme für die kleinen Leute, vom Neinsagertum und von der Widersetzlichkeit.  Alles aber wurde zugleich zum Bestandteil der Weltliteratur.“ Und in Bezug auf „die so gewaltigen Kräfte des Neubeginns“ nach 1945 konstatiert Mayer: „Den Ausschlag gab das plebejische und nach wie vor bäuerliche Element des Vorgebirges und des Niederrheins. Dorther kam auch das Moment der süßen Anarchie, einer fundamentalen Aufsässigkeit, die es offenbar immer wieder gegeben hat.“[4]

Das Fazit der ehrenamtlichen Verfassungsrichterin Juli Zeh:

„Wir, jeder Einzelne von uns, als Schriftsteller, als Bürger, sind das Rückgrat der Demokratie, sofern wir selbst ein Rückgrat besitzen. Die demokratische Freiheit hat meine Generation geschenkt bekommen. Jetzt müssen wir noch stark genug werden, um uns selbst und einander in Freiheit zu ertragen. Denn das ist Politischsein im besten demokratischen Sinne: immer wieder das Anders-Sein des Anderen als Äquivalent und Bedingung der eigenen Selbstverwirklichung zu erkennen. Heinrich Böll hat vorgemacht, wie das geht: verschiedene Lebensstile und Interessen in einer Gesellschaft zusammendenken.“

Freude über den Heinrich-Böll-Preis (Foto: hbn)

 

[1] Juli Zeh, Wir tragen alle Mitschuld, in: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-11/politikverdruss-juli-zeh-heinrich-boell-demokratie-intellektuelle

[2] Siehe Hans Mayer Aufklärung heute – Reden und Vorträge 1978-1984, Frankfurt am Main1985, S. 131

[3] Heinrich Böll, Romane und Erzählungen 1, S. [134]

[4] Hans Mayer, Köln: eine Stadt, die auch ihr Gegenteil ist, in: Hans Mayer, Stadtansichten, Frankfurt am Main 1989, S. 44f

Erhellendes über »Marienbader Bergschluchten«

Prof. Osterkamp   (Foto: Uni Tübingen)

Zur feierlichen Semestereröffnung des Deutschen Seminars der Universität Tübingen hat Professor Dr. Ernst Osterkamp unter dem enigmatischen Titel »Marienbader Bergschluchten« zu Goethes großem Schlüsselthema »Liebe« einen ausgezeichnet fundierten sehr erhellenden Vortrag gehalten. Den Rahmen boten die »Hans-Mayer-Lectures« die von Professor Dr. Eckart Goebel seit 2017 veranstaltet werden. Die am Lehrstuhl für Komparatistik und Neuere Deutsche Literatur der Eberhard Karls Universität Tübingen eingerichtete Hans-Mayer-Lecture soll einmal im Jahr das Andenken des bedeutenden Literaturwissenschaftlers, Kulturkritikers, Essayisten und Schriftstellers Hans Mayer ehren und sein akademisches Vermächtnis im Zeichen der Aufklärung lebendig halten.

Neben Studentinnen und Studenten des Instituts waren auch renomierte Literaturwissenschaftler*innen und Dozent*innen unterschiedlicher Provenienz erschienen. Besonders erfreut zeigten sich der Institutsleiter und der Referent des Abends über die Anwesenheit von Dr. Inge Jens, die den letzten großen Goetheband von Hans Mayer mit ihm drei Jahre vor seinem Tod herausgegeben hatte.

Dr. Inge Jens und Heinrich Bleicher, Vorsitzender der HMG    (Foto: Bendel)

Professor Osterkamp wies zu Beginn seines Vortrages auf die jahrzentelange Beschäftigung Mayers mit Goethe hin. Zeitlich gesehen steht da am Anfang der wenig bekannte Band »Unendliche Kette – Goethestudien« von 1949. Wesentlich für einen Neubeginn der Diskussion über Goethe war aber der „geistreiche 1973 erschienene Essay“ »Goethe – Ein Versuch über den Erfolg«. Die Begründung für den Erfolg des Buches lag in den Veränderungen von 1968, auch wenn Goethe da noch nicht Thema war. Aber, so der Referent, „dass Hans Mayer mit seiner ʹKraft zum Widerstandʹ sagte, jetzt schreibe ich über Goethe, das machte auch Goethe dann wieder zu einem neuen Gegenstand des intellektuellen Diskurses.“

Mit dem Zentralthema des alternden Goethe, ʹob und wie sich ohne Liebe weiterleben lasseʹ, von seiner »Marienbader Elegie« bis zum Ende von »Faust II«, hat Hans Mayer sich allerdings nicht beschäftigt. Dem Referenten zu diesem Thema in seiner äußert schlüssigen und erhellenden Argumentation zu folgen, war spannend und eine große Freude für die Anwesenden.

Lesen sollte man also nicht nur Mayers Texte von 1973 und 1999 sondern die Veröffentlichung von Professor Osterkamps Vortrag, im „Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts Frankfurt 2019“.

Hans Mayer als Schirmherr der »New German Critique“

Einem Hinweis von Professor Jost Hermand aus Wisconsin bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Hans-Mayer-Gesellschaft (HMG) ist es zu verdanken, dass ein Treffen mit Professor Andreas Huyssen von der Columbia-Universität New York zustande kam.

Professor Hussen als aufmerksamer Zuhörer und Beobachter bei der Mosse-Tagung in Berlin
Professor Huyssen als aufmerksamer Zuhörer
und Beobachter bei der Mosse-Tagung in Berlin

Andreas Huyssen ist Villard Professor em. für deutsche Sprache und vergleichende Literaturwissenschaft und als Gründungsmitglied Mitherausgeber der New German Critique.

Anlässlich des 100. Geburtstags des Kulturhistorikers George L. Mosse hatten sich Anfang Juni in Berlin deutsche, israelische und US-Wissenschaftler getroffen, um über Mosses Forschungen und insbesondere seine Frage, wie es zum Faschismus in Europa kommen konnte, zu diskutieren. Einer der Vortragenden im Panel „Faschismus, Popularismus und Authoritarismus“ war – mit einem brillianten Beitrag – Andreas Huyssen der gern zu einem Gespräch über Hans Mayer am Rande der Konferenz bereit war.

Er berichtete von Hans Mayers Tätigkeit als Schirmherr bei der Gründung der »NGC«. Mayer hatte 1972-1973 die Carl Schurz Professur an der Universität von Wisconsin -Milwaukee (UWM) inne und unterstütze dort nachhaltig das Anliegen von Jack Zipes, David Bathrick und Anson G. Rabinbach die Zeitschrift zu gründen. Der Untertitel erklärte programmatisch den interdisziplinären Charakter des Journals sowie die beabsichtigte Ausweitung der Studien auf deutsche Kultur, Philosophie, Geistesgeschichte. Mayer, der 1972 den Ehrendoktortitel der Universität erhalten hatte, half zu überzeugen, dass die neue Zeitschrift äußerst förderlich für die Reputation der »UWM« sein würde. Schnell wurde offensichtlich, dass die Herausgeber auf der Basis eines Marxismus agierten, der auf kritischer Anknüpfung an die Tradition der “Kritischen Theorie” fußte. Adorno, Horkheimer aber auch Korsch, Bloch und Benjamin sowie Kracauer und Reich waren Autoren, auf die man sich bezog. Selbstverständlich fehlte auch nicht die Brecht-Lukács-Debatte, die zeitgleich in der Zeitschrift »Alternative« in Berlin geführt wurde.

Der erste Beitrag in der 1974 erschienen ersten Nummer stammte von Hans Mayer und trug den Titel „Heinrich Heine and German Ideologists“. In der zweiten Nummer erschien ein weiterer Beitrag Hans Mayers unter dem Titel „An Aesthetic Debate of 1951: Comment on a Text by Hanns Eisler“. Es gab übersetzte Beiträge von Adorno, Oskar Negt, und Reinhard Kühnl sowie einen Beitrag von Anson G. Rabinbach zum Thema „Toward a Marxist Theory of Fascism and National Socialism: A Report on Developments in West Germany“.

Im nächsten Jahr folgten u.a. ein Beitrag von Andreas Huyssen zu Adorno und ein Nachdruck von Karl Korsch zur sozialistischen Praxis neben einem Beitrag von Hans Mayer mit dem Titel „Thomas Mann and Bertolt Brecht: Anatomy of an Antagonism“.

Die Zeitschrift hatte durchaus den Blick auf beide Deutschlands. Mehrfach wurde diskutiert über Heiner Müller „Mauser“, zu Christa Wolf und Wolfgang Biermann wie Thomas Brasch. Wen all diese Sachverhalte genauer interessieren, der kann sie in dem Beitrag von Andreas Huyssen und Anson Rabinbach in der Nummer 95 der »NGC« nachlesen die 2005 erschienen ist. Dies ist ein Spezialheft zum 70. Geburtstag von David Bathrick, einem der Gründer der »NGC«, dessen Verdienste in der damals 30jährigen Existenz der Zeitschrift auch Jost Hermand in seinem Beitrag würdigt.

Hans Mayer hat während seiner Zeit in Wisconsin-Milwaukee seine Arbeit an dem Buch »Aussenseiter« begonnen. Er lernte dort übrigens George l. Mosse bei dessen Freund Jost Hermand kennen und schätzen.

In ihrem Abschlussbeitrag zur Mosse-Konferenz stellte Aleida Assmann unter Anknüpfung an Mosse fest: „Wir müssen jede Gesellschaft immer von dem Außenseiter, der er selber war, denken und aus seiner oder ihrer Perspektive die Gesellschaft beurteilen. Es ist die radikale Perspektive der Menschenrechte, die er da vertritt, und er sagt, es ist der Test einer demokratischen Gesellschaft, einer solidarischen Gesellschaft, wie sie mit dem Außenseiter umgeht.“

Wer die Artikel Hans Mayers lesen will, erhält sie unter den nachfolgenden links:
https://www.jstor.org/stable/487626
https://www.jstor.org/stable/487954?seq=1#page_scan_tab_contents

„Blauäugigkeit und Realitätsverweigerung“?

Die Universität Köln feiert ihr 100jähriges Jubiläum. Der Kölner Stadtanzeiger veröffentlicht dazu eine Artikelserie mit unterschiedlichen Beiträgen. Am 17. 5. 2019 erschien ein Beitrag von Herrn Markus Schwering mit dem Titel “Im Gleichschritt in die Diktatur”. Hans Mayer hat in Köln Jura studiert und sein Doktorexamen gemacht. Der Doktortitel wurde ihm allerdings am 14.5.1938 entzogen: „Weil ausgebürgert“. Am 1.9. 1981 – nach 43 Jahren und ganze 36 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus – erhält er seinDiplom zurück! Eine im genannten Kontext interessante und beispielhafte Geschichte. Sie taucht bei Schwering nicht auf. Der versucht zu zeigen, wie Mayer sich als Student der UNI zum “brauenen Treiben” dort geäußert hat. Den “politischen Schock” Mayers konstatiert er erst bei den Reichstagswahlen von 1930. “War da Blauäugigkeit und Realitätsverweigerung im Spiel?” fragt er….

Der komplette Artikel findet sich unter nachfolgendem link:
https://www.ksta.de/kultur/im-gleichschritt-in-die-diktatur-32554742

Ich habe mir erlaubt, einen Leserbrief zu schreiben:

„Blauäugigkeit und Realitätsverweigerung“?
Erfreulich ist, dass Herr Schwering in seinem Artikel „Im Gleichschritt in die Diktatur“ (Freitag 17.5.2019) mehrfach den an der Kölner Universität promovierten Juristen und „nachmaligen berühmten Literaturwissenschaftler und Essayist Hans Mayer“ zitiert. Er vermisst dann, dass man in Mayers Erinnerungen „nichts vom braunen Treiben an der Kölner Uni liest.“ Es folgt die Suggestivfrage, ob „da Blauäugigkeit und Realitätsverweigerung im Spiel“ war. Er beantwortet sie mit dem berühmten Tucholskyschen «Jein». Das greift allerdings für einen belesenen Mann wie Herrn Schwering zu kurz. Die marxistische und sozialistische und damit antifaschistische Position des Studenten Mayer lässt sich seitenweise aus den Erinnerungen erkennen. Die Faschismusanalyse Thalheimers von der KPO, der Mayer nahestand, ist ein weiteres Beispiel. Der Hinweis auf den Prozess des NSDAP-Gauleiter Dr. Robert Ley ist auch nicht zu übersehen. Mayer hatte dem als Gerichtsreferendar beigewohnt. Die Folge: „Mir hatte man nichts vergessen im braunen Haus. An einem Sommerabend war ich überfallen und zusammengeschlagenen worden.“ Mayer flüchtete zum zweiten Staatsexamen nach Berlin und entkam so „den Braunen, die ihn abholen wollten.“ In Berlin hatte er übrigens auch 1926/1927 studiert. War also zeitweise gar nicht in Köln, sondern in Berlin. Wer allerdings mehr über seine Einschätzung zur juristische Ausbildung in Köln und die Weimarer Zeit lesen will, schaue in Mayers »Reden über Deutschland« und den Vortrag »Aus den Erinnerungen eines entlaufenen Juristen« (gehalten am 16. Oktober 1987 im Kölner Gürzenich) Ein Fazit: „Die Frage nach unseren juristischen Lehrjahren in der Weimarer »Systemzeit«, wie braune Propaganda zu sagen pflegte, hängt untrennbar zusammen mit dem immer noch unbegreiflichen Phänomen, daß deutsche Richter und deutsche Anwälte sowohl des Staates wie irgendwelcher Prozeßparteien imstande waren, ihre Rechtswissenschaft einzusetzen für ein Unrechtssystem. Was heißen mußte: Mittun beim Unrechttun.“ Viel Spaß beim Lesen!

Heinrich Bleicher-Nagelsmann
Vorsitzender der Hans-Mayer-Gesellschaft

Besuch bei Alfred Grosser

Alfred GrosserEinen Tag nach dem Brand von Notre Dame haben der stellvertretende Vorsitzende, Heiner Wittmann und der Unterzeichner Professor Alfred Grosser in Paris besucht. Das Gespräch mit dem noch sehr im aktuellen Zeitgeschehen präsenten Politikwissenschaftler[1] steht in einer Reihe von Interviews mit Menschen, die Hans Mayer noch persönlich gekannt haben.

Zu Eugen Kogon 75. Geburtstag am
2. Februar 1978, hatten Alfred Grosser und Hans Mayer einen Vortrag zur „Rolle des politischen Schriftstellers gehalten. Grosser stellte damals in seinem Vortrag nach Hans Mayer fest, dass dieser richtig festgestellt habe, dass „dem Schriftsteller zu Unrecht politische Kompetenz abgestritten werde“. Doch trotz der positiven Bespiele Heinrich Bölls oder Günter Grass stellte er fest, dass die gesellschaftliche Intellektuellenfunktion der großen Schriftsteller an die Sozialwissenschaftler übergegangen sei. Diese seien allerdings „oft genauso inkompetent in der Politik, wie es die Dichter vorher gewesen sind“. Er führte dann seine Gedanken weiter aus in dem Zusammenhang des politischen Schriftstellers und der Freiheit.
In dem aktuellen Interview, dass mit Grosser geführt wurde knüpfte er an diesen Gedanken wieder an. Das Gespräch wird gemeinsam mit weiteren Interviews unter anderem mit Inge Jens, Jost Hermand und Christoph Hein in einem Band über Hans Mayer veröffentlicht werden.
Zu aktuellen Themen wie der deutsch-französischen Beziehung und dem Brexit hat Grosser sich im folgenden Gespräch dann gegenüber dem Frankreich-Blog geäußert.[2]
Zum tragischen Brand wies er darauf hin, dass es hier weniger um die Kathedrale als ein christliches Symbol gehe, sondern die Bedeutung von Notre-Dame als ein Symbol für die Geschichte Frankreichs.

[1] Siehe https://www.france-blog.info/alfred-grosser-wird-heute-94-jahre-alt
[2] Siehe: https://www.france-blog.info/category/deutsch-franzosische-beziehungen