„Im Dunkel des gelebten Augenblicks“

Vor 30 Jahren hat Hans Mayer einen Artikel für die »Züricher Zeitung« zur Erinnerung an den 30. Januar 1933 geschrieben. Unter Bezug auf die im Titel genannte Formel Ernst Blochs weißt er darauf hin, „daß nicht nur der Einzelne, sondern manchmal auch die sogenannte Menschheit den folgenreichsten Augenblick ihres Daseins zwar als Vorgang erlebt, doch ohne zu ahnen, was sich bei diesem Vorgang für ihre Gegenwart und Zukunft ereignet hatte. Das Dunkel steckt mitten in der Tageshelle.“

Der Tag des Widerrufs wurde von den meisten Beteiligten bei der Machtübergabe an Hitler durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg nicht in seiner Tragweite erkannt; außer von Hitler selbst. Dem war klar, dass er die als Reichskanzler erhaltene Macht nicht mehr hergeben würde. Die Einkreisungsstrategie der konservativen und reaktionären Rechten in der Regierung war eine vollständige Verkennung der Tatsachen und Machtverhältnisse.

Es war dem gescheiterten ehemaligen Reichskanzler Franz von Papen gelungen, den lange wiederstrebenden Hindenburg zu überzeugen, dass der von einer konservativen Kabinettsmehrheit „eingerahmte“ NSDAP-Führer keine Gefahr darstellen würde. Zu einem späteren Zeitpunkt, nachdem er die Arbeiterparteien und die Gewerkschaften gebändigt oder zerschlagen hätte, sollte er dann in die Wüste geschickt werden.

Kurz skizziert Mayer die Regierungszusammensetzung vom 30. Januar 1933: „Jener Papen wurde Vizekanzler, der deutschnationale Zeitungsmagnat Alfred Hugenberg, ein ehemaliger Krupp-Direktor, war auch im Kabinett. Die Reichswehr wurde durch einen Berufsoffizier vertreten. Die Finanzen hütete ein Adliger der Deutschnationalen, durchaus kein Freund des neuen Reichskanzlers, wie man wußte. Alles war kurzfristig angelegt, man mußte die Augenblickskrise überwinden, dann würde man weitersehen.“[1]

Doch der im ganzen Reich mit Fackelzügen der »SA« und des »Stahlhelms« gefeierte „Befreier Hitler“[2] zögerte keinen Moment seine Machtposition zu festigen. In der 1. Kabinettssitzung noch am 30. Januar machte er deutlich, dass allein ein Generalstreik den Machterhalt gefährden könne. „Wenn man jedoch die Frage aufwerfe, was für die Wirtschaft eine größere Gefahr bedeute, die mit Neuwahlen verbundene Unsicherheit und Beunruhigung oder ein Generalstreik, so müsse man nach seiner Ansicht zu dem Ergebnis kommen, daß ein Generalstreik für die Wirtschaft weit gefährlicher sei. Es sei schlechterdings unmöglich, die 6 Millionen Menschen zu verbieten, die hinter der KPD ständen.“[3]

Für den Abend des 30. Januar hatte die KPD zu einer Massenkundgebung in die Kölner Rheinlandhalle aufgerufen. Mayer wohnte nicht weit davon und ging hin. Die Massen waren nicht versammelt, die wohnten mehrheitlich den Fackelzügen bei. Ein kommunistischer Reichstagsabgeordneter aus Berlin, Max Hirsch, ein Jude, war zu der Kundgebung gekommen. Er gab sich siegessicher. Die Nazis würden abwirtschaften und dann käme die KPD. Wie man weiß, kam es anders.

Weniger als 30 Tage später gab es für Hitler aber eine andere Chance, die KPD zu verbieten und damit die Mehrheit im Reichstag zu sichern: Den Reichstagsbrand. Mit dem Reichstagsbrandgesetz und einem Monat später mit dem Ermächtigungsgesetz hatte der braune Reichskanzler dann die Macht an sich gerissen und das Parlament ausgehebelt.

In seinem das Buch »Der Widerruf« abschließendem Beitrag »Deutsche und Juden nach dem Widerruf«, einer Rede vor dem Bundesverfassungsgericht, kommt Mayer dann noch einmal auf den Wendepunkt für das 20. Jahrhundert zurück: „Ein geschichtliches Datum wie dieser 30. Januar 1933 kann nicht aus seinem Zeitvergang losgelöst werden. Jener Tag hat den Widerruf dessen bedeutet, was man als deutsch jüdische Symbiose zu bezeichnen pflegt. Es gibt mithin ein Vorher wie ein Nachher. Zu jenem Nachher gehört auch der Staat Israel. Eines scheint mir sicher zu sein: eine Deutsch-Israelische Juristenvereinigung im heutigen Sinne wäre undenkbar ohne jenes Vorher des 30. Januar: ohne den Tag des Widerrufs. Wer die jeweilige Gegenwart nicht als ein Gewordensein verstehen und überdenken will, abhold aller Geschichtsbetrachtung, wird mit Notwendigkeit auch als Deuter der Gegenwart scheitern.“[4]

Im Folgenden skizziert Mayer dann den Gang der Aufklärung von Gotthold Ephraim Lessing und Moses Mendelssohn über Heine, Marx und Börne sowie andere bis in die 90er Jahre hinein. „Am Ende unseres zwanzigsten Jahrhunderts ist der Widerruf vom 30. Januar 1933, der von vornherein eine »Endlösung« der Judenfrage vorbereiten sollte, als Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitig in einem zu interpretieren.“ Für die Zukunft käme es darauf an, nicht ohne Hoffnung zu leben. Notwendig sei aber dafür aber wie Adorno zu Recht bemerkt habe ein Leben in Wahrheit.

Heinrich Bleicher

[1] Hans Mayer, Der Widerruf Über Deutsche und Juden, Frankfurt am Main 1994, S. 14
[2] So die Nazizeitung „Westfälischer Beobachter“ am Tag nach der Machtübergabe.
[3] Zitiert nach: Internationaler Militärgerichtshof, Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher Nürnberg, 14. November 1945-1. Oktober 1946, Nürnberg 1947, Bd. XXV, S. 374-376.
[4] Hans Mayer, Der Widerruf, S.430

„Wenn dieses Land je so etwas wie ein Herz gehabt haben sollte, lags da wo der Rhein fließt“

50 Jahre Literaturnobelpreis für Heinrich Böll

Es war die Zeit als Böll nach seinem im Januar 1972 erschienenen Spiegelartikel über Ulrike Meinhof von der Springer-Presse aber auch von anderen Publikationen und Medien als „geistiger Wegbereiter der Gewalt“ und RAF-Sympathisant wochenlang angegriffen und verleumdet wurde. Da erreichte ihn ein von Hans Mayer am 20. April geschriebener Brief, in dem dieser u.a. schreibt: »…vielleicht wird es Sie freuen, daß ich zu Beginn des Jahres vom Nobel Komitee in Stockholm um den Vorschlag eines Kandidaten gebeten wurde. Ich habe Ihren Namen genannt. Später erfuhr ich, daß sich zwei andere deutsche Empfänger solcher Briefe genauso entschieden.«[1]

Heinrich Böll selbst erhielt die Nachricht zur Verleihung des Nobelpreises am 19. Oktober per Telegramm in Athen. Ein paar Tage vorher hatte er einen zweiten Brief von seinem Freund Max Tau aus Oslo erhalten. Der schreibt: »Vor einigen Tagen hatte ich Besuch von unserem gemeinsamen Freund Hans Mayer und er war ganz sicher, dass du diesmal den Literatur Nobelpreis bekommst. (…) Er war seiner Sache ganz sicher, aber ich hoffe, weil ich weiß, daß bei der Preisverleihung immer noch was passieren kann. Aber mein Instinkt sagt mir, dass Du diesmal dran bist.«[2]

Bölls Nobelpreisurkunde (Foto: HB)

Kennengelernt hatten sich Hans Mayer und Heinrich Böll schon kurz vor einer Tagung in Wuppertal im Herbst des Jahres 1957. Diese aber bedeutete für Mayer, wie seine Frühjahrsreise nach Griechenland „eine Erweckung“.[3] „Der Ort des Geschehens war kaum poetisch zu nennen, trotz der Else Lasker-Schüler. Es war das Wuppertal, Stadtteil Elberfeld.[4] Das Thema der Tagung der Wuppertaler Vereinigung „Bund – Gesellschaft zur geistigen Erneuerung“ vom 11. bis zum 13. Oktober: »Literaturkritik – kritisch betrachtet«. Vertreten waren Schriftsteller, Germanisten, Kritiker, Vertreter des Buchhandels und öffentlicher Büchereien. Die Mischung der hochkompetenten Teilnehmer*innen und die Leitung der Tagung durch den souveränen Hans Jürgen Leep, Kulturreferent von Wuppertal, machten die Tagung zu einem außerordentlichen Erfolg. Ingeborg Bachmann Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Walter Jens sowie Heinrich Böll, Peter Huchel und auch namhafte ausländische Gäste waren vertreten.

Alle Debatten, Kontroversen und Gespräche zielten auf Austausch über Zustand und Veränderung der Gesellschaft nach 1945; vermittelt in diesem Fall über die Fähigkeit der deutschen Sprache, das in geeignete Worte zu fassen. Es ging dabei auch um die „Einheit der deutschen Literatur“. In Anknüpfung an diese Tagung zielt darauf auch Celans Gedicht »Weißgeräusche«, das Hans Mayer gewidmet ist.[5] Bei dem Treffen kam es zur erneuten Liebesbeziehung zwischen Celan und Bachmann. Es entstanden Celans Gedichte »Rheinufer« und »Köln, Am Hof«.[6]

Um die deutsche Sprache ging es Böll auch in seiner Nobelpreisrede am 10. Dezember 1972. Er beendet sie mit den Worten: „Ich danke der Schwedischen Akademie und dem Land Schweden für diese Ehre, die wohl nicht nur mir gilt, auch der Sprache, in der ich mich ausdrücke und dem Land dessen Bürger ich bin.“[7] Zuvor schon hatte er es deutlich ausgesprochen: „Wenn dieses Land je so etwas wie ein Herz gehabt haben sollte, lag´s da, wo der Rhein fließt. Es war ein weiter Weg in die Bundesrepublik Deutschland.”

Es war auch die Heimatstadt Köln, die eine zusätzliche Nähe zwischen Mayer und Böll vermittelte. In seiner Rede über die »Einheit der deutschen Literatur« hat Hans Mayer auch den Dank an Heinrich Böll in diesem Sinn ausgesprochen: „… Heinrich Böll ist ein großartiges Beispiel für die These, daß das scheinbar bloß Lokale und Regionale in Wirklichkeit am besten verstanden wird in ganz fremden Welten: vorausgesetzt, daß es genau ist und wahr.“[8] Nicht verwunderlich also, dass Hans Mayer seine Dankrede für die Verleihung des Kölner Literaturpreises Heinrich Böll gewidmet hat.[9]

Ehrenbürger Böll                     (Foto: HB)

50 Jahre nach der Verleihung des Nobelpreises an ihren Ehrenbürger Böll hat die Stadt Köln in zwei Veranstaltungen an dieses Ereignis erinnert. Zum einen bei einer Tagung des Archivs, dass seinen Nachlass verwaltet und nach der Bergung und Rettung desselben wieder zugänglich macht. Zum anderen durch eine Tagung im Rathaus. Dort wies Oberbürgermeisterin Henriette Reker noch einmal auf die strittige Debatte hin, die es damals bei der Ernennung Heinrich Bölls zum Ehrenbürger gegeben hatte. Einleitend zu ihrer Berichterstattung hält Annika Müller im »Kölner Stadtanzeiger« vom 26.11.2022 fest: „Heinrich Bölls Verhältnis zur Stadt Köln war „ambivalent“, wie es Oberbürgermeisterin Henriette Reker am Donnerstag vorsichtig ausdrückt. Und auch das Verhältnis Kölns zu Böll war nicht immer positiv.“ Es scheint allerdings, als hätte man sich inzwischen mit dem berühmten Sohn der Stadt ausgesöhnt. Sowohl mit dem kritischen und widerständigen Schriftsteller der Nachkriegszeit als auch dem politischen und engagierten Bürger Kölns.

 

[1] zitiert nach Heinrich Böll, Werke Kölner Ausgabe Band 18 Seite 579
[2] zitiert nach Heinrich Böll, Werke Kölner Ausgabe Band 18 Seite 580
[3] Hans Mayer, Ein Deutscher auf Widerruf, Erinnerungen Band II, Frankfurt am Main 1984, S. 223
[4] Ebenda
[5] Siehe: http://www.hans-mayer-gesellschaft.de/weissgeraeusche-in-wuppertal/
[6] Siehe: Herzzeit Ingeborg Bachmann- Paul Celan Der Briefwechsel, Frankfurt am Main 2008, S. 57ff
[7] zitiert nach Heinrich Böll, Werke Kölner Ausgabe Band 18 Seite 178
[8] Hans Mayer, Wendezeiten Über Deutsche und Deutschland, Frankfurt am Main1993, S. 159
[9] Hans Mayer, Aufklärung heute Reden und Vorträge 1978-1984, Frankfurt am Main 1985, S. 125ff

»Das Geschehen und das Schweigen«

Zum 30. Todestag von Willy Brandt am 8. Oktober 2022

Das letzte Buch Hans Mayers ist im Jahr seines Todes erschienen: »Erinnerungen an Willy Brandt«[1]. Beide waren, so heißt es im Klappentext, „linke Abweichler“. Persönlich haben sich die beiden erst 1964 in der Wohnung von Günter Grass getroffen. Doch der Lebensweg und die politische Einstellung von ihnen weisen schon in ihrer Jugend erstaunliche Parallelen auf. So vermerkt Mayer in dem Buch: „Bei späteren wirklichen Gesprächen mit ihm erlebte ich die Überraschung, daß es ihm mit mir ähnlich ergangen war. Auch er hatte von meiner Zugehörigkeit zu den Leuten um Max Seydewitz und Kurt Rosenfeld gewußt. Auch er hatte Arbeiten von mir mit Interesse verfolgt.“[2]

Hans Mayer, Jahrgang 1907, und Willy Brandt, geboren 1913, gehörten in der Weimarer Zeit zu den Linken in der Sozialdemokratie. Nach den Reichstagswahlen vom September 1930, erreichten die Nazis einen erdrutschartigen Sieg. Von 12 stieg ihre Stimmenzahl im Parlament auf 107 Mandate und sie wurden zweitstärkste Partei. Sowohl der gerade promovierte Jurist und „Rote Kämpfer“ Hans Mayer in Köln als auch der Gymnasiast Willy Brandt bei den Jungsozialisten in Lübeck kritisierten die Politik der SPD und verlangten eine gründliche Überprüfung der politischen Strategien und Zielsetzungen. Sie erfolgte nicht und führte zu einer linken Abspaltung von der Sozialdemokratie in die 1931 von Kurt Rosenfeld und Max Seydewitz gegründeten »Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD)«. Brandt ging in deren sozialistischen Jugendverband (SJV) und Mayer wurde Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands in Köln im Bezirk Mittelrhein. Sozialisten sind beide bis an ihr Lebensende geblieben.

Bei dem Treffen im Frühjahr 1964 in der Wohnung von Günter Grass ging es um politisch strategische Überlegungen zwischen Führungsleuten der SPD und mit der Partei respektive mit Willy Brandt sympathisierenden Schriftstellern zu einem Machtwechsel in der Bonner Republik. „Das Jahr 1964 bedeutet heute – im Rückblick – den Anfang vom Ende des Adenauer-Staates. … im Jahre 1964 wurde offensichtlich, daß der achtundachtzigjährige Bundeskanzler sich auch im Bundespräsidenten Heinrich Lübke getäuscht hatte. Denn Lübke, das sollte sich bald herausstellen, wünscht mit einer großen Mehrheit der Kanzlerpartei den Wandel.“[3] Fritz Erler, der Stellvertreter Brandts, erläuterte an jenem Abend die vorgesehene Strategie der SPD. Brandt selbst beschränkte sich auf die Gesprächsleitung.  „Er saß da, trank seinen Rotwein, erteilte das Wort. Seine innere Anteilnahme schien weitgehend der Nachbarin Ingeborg Bachmann zu gelten, die wunderschön war an jenem Abend.“[4]

Ein Jahr später hielt Hans Mayer am 9. November 1965 seine Antrittsvorlesung als Professor an der Universität in Hannover unter dem Titel »Sprechen und Verstummen der Dichter«. Gegen viele Widerstände hatte er die Berufung auf den Lehrstuhl auch Willy Brandt zu verdanken und damit „seine Bestallung als deutscher Beamter auf Lebenszeit.“ Die Rede über »Sprechen und Verstummen der Dichter« wurde 1969 in einem kleine Essayband der edition Suhrkamp mit dem Buchtitel »Das Geschehen und das Schweigen« veröffentlicht.[5] Diese etwas ungewöhnliche Titelformulierung findet sich identisch wieder in den 1989 erschienen Erinnerungen von Willy Brandt.[6] In Brandts Buch wird die antithetische Formulierung Mayers zweigeteilt. „Die Überschrift »Das Geschehen« steht über Brandts Bericht zur Affäre um den Ostspion Günter Guillaume. Dann wird der Hergang berichtet, der zur Demission Brandts vom Amt des deutschen Bundeskanzlers führen sollte. Überschrift des Erinnernden »Das Schweigen«.[7] Die Erinnerungen Brandts sind allerdings mariginal, was die wirklichen Gründe und Diskussionen in der SPD und der damaligen Koalition mit den Freien Demokraten anbetrifft. Eine der besten Schilderungen und historischen Einschätzungen findet sich in dem hervorragenden Dokudrama Heinrich Breloers »Wehner – Die unerzählte Geschichte. Die Nacht von Münstereifel«.

In dem Kapitel »Im Dickicht der Städte« seines Brandt-Buches geht Hans Mayer auf den Fall Guillaume ein. „Vielleicht ist die Lösung so vieler unklar gehaltener und gebliebener Fragen dadurch zu erklären, daß zur Zeit des Fall Guillaume nicht nur, wie verständlich, christlich-demokratische Politiker entschlossen waren, die Macht zurückzugewinnen, sondern auch ein tiefer Konflikt zwischen Herbert Wehner und Willy Brandt entstanden war. Es ging um eine Grundfrage künftiger deutscher Politik. Willy Brandt verstand die Aussichten bundesdeutscher Politik als »Wandel durch Annäherung«. Er wünschte eine positive und friedliche Koexistenz der beiden deutschen Staaten…. War Wehner … ein entschiedener Gegner eines weitgehenden Wandels durch Annäherung zwischen BRD und DDR? So scheint es der späte Willy Brandt gesehen zu haben.“[8] Diese Sichtweise teilt auch Hans Mayer, wie in dem Kapitel über Herbert Wehner deutlich wird.

Schon als Außenminister in der Regierung Kiesinger hatte Willy Brandt seine zukünftige Ostpolitik vorbereitet. Ein in den gängigen Publikationen oder Kommentaren wenig genanntes Ereignis war eine Tagung zur »Exil-Literatur 1933-1945« vom 17.-19. Januar 1968 in Luxemburg. Dort trafen sich Schriftsteller, Wissenschaftler und Politiker, die aus politischen Gründen 1933 bis 1945 im Exil leben mussten. Die Schirmherrschaft hatten Pierre Grégoire, Außen- und Kultusminister von Luxemburg und Willy Brandt als Außenminister der BRD. In seiner Begrüßung stellte er fest: „Unsere auswärtige Politik ist am Generalnenner der Friedenssicherung orientiert. Deshalb sagen wir illusionslos ja zur Entspannung und stellen dafür keine Vorbedingungen. Wir haben erkannt: nur durch eine europäische Friedensordnung kann die Spaltung und Schwächung unseres Kontinents überwunden werden. Nur so werden auch die beiden Teile Deutschlands wieder zueinander finden können. In dieser Überzeugung bleiben wir bei dem, was einige von uns schon vor 1945 sagten, als wir gegen ein »deutsches Europa«, aber für ein »europäisches Deutschland« eintraten.“[9] Der luxemburgische Außenminister, der fünf Jahre im KZ verbracht hatte, begrüßte die zahlreichen Gäste zu denen auch Golo Mann, als Vortragender, sowie Walter Fabian, Max Horkheimer und viele andere gehörten.Horkheimer, Richard Friedenthal und viele andere gehörten. Er stellte deutlich die Bedeutung des Widerstandes und die Leistung der deutschen Menschen im Exil heraus. Hans Mayer, der einen umfangreichen Vortrag über Thomas Mann, u.a. als die Stimme der deutschen Kultur im Exil hielt, fasst in seinem Willy Brandt-Buch zusammen: „Mit Recht erkannte der neue Außenminister, daß zum Zerstäuben ideologischer Residuen vor allem auch eine neue und deutliche Abgrenzung von den Untaten des Dritten Reiches gehörte. Willy Brandt selbst war als Emigrant aus Norwegen in die ersehnte deutsche Freiheit zurückgekehrt. Man hat es ihm nicht gedankt: er habe »gegen uns gekämpft in der Stunde unserer Not«. Nun sollte ein Emigrant von einst die deutsche Außenpolitik verantworten. Es war, gerade weil weite Teile der Bevölkerung Vergesslichkeit vortäuschten, vor allem wichtig, klar über die deutsche Politik seit 1933 zu sprechen. Also auch über das Widerstandsrecht. Auch über politisches Dissidententum. Nicht zuletzt über einen demokratischen Alltag in der Bundesrepublik Deutschland. … damals in Luxemburg durfte man, im Grunde zum ersten Mal nach den lange zurückliegenden frühen Nachkriegsjahren, von neuem Hoffnung schöpfen: in beiden deutschen Staaten. Die Achtundsechziger in der Bundesrepublik Deutschland machten deutlich, daß Schluss sein müsse mit dem Verschweigen und Verdrängen und den Redensarten wie »in jenen schrecklichen Jahren…«.[10]

In seinen Erinnerungen stellt Brandt fest, dass er die Studentenrevolte aufmerksam beobachtet habe, auch außerhalb der deutschen Grenzen. Er hält fest, daß sein Rat an die Regierung und auch an die Partei der er angehörte, war, der kritischen Jugend gut zuzuhören. Doch selbstkritisch stellt er fest: „… was die junge Generation, und zwar nicht ihren schlechtesten Teil, umtrieb, hab ich nicht gut genug verstanden, vielleicht auch nicht verstehen wollen; abgestandener Wortradikalismus machte den Zugang schwer.“[11] Sein großer Verdienst aber ist tatsächlich das, was er im Schlußsatz seiner Erinnerungen festhält: „Mitgetan zu haben, daß der deutsche Name, der Begriff des Friedens und die Aussicht auf europäische Freiheit zusammengedacht werden, ist die eigentliche Genugtuung meines Lebens.“[12]

Heinrich Bleicher

[1] Hans Mayer, Erinnerungen an Willy Brandt, Frankfurt am Main 2001
[2] A.a.O., S.30f
[3] A.a.O., S.32-34
[4] A.a.O., S.36
[5] Hans Mayer, Das Geschehen und das Schweigen, Frankfurt am Main 1969, S. 11-34
[6] Willy Brandt, Erinnerungen, Frankfurt am Main 1989, Seite 315-341
[7] Hans Mayer, Erinnerungen an Willy Brandt, S. 49
[8] A.a.O., S. 53f
[9] Exil-Literatur 1933-1945, Inter Nationes Bad Godesberg 1968, S. 8
[10] Hans Mayer, Erinnerungen an Willy Brandt, S. 41-45
[11] Willy Brandt, Erinnerungen, S. 274
[12] A.a.O., S. 500.

Jean Améry als Aufklärer

Vortrag Professor Susan Neimans bei der Hans Mayer Lecture 2022

Mit einer eindrücklichen Liebeserklärung für den anderen Hans Mayer startete die Direktorin des Einstein Forums, Professor Susan Neiman, ihren furiosen Vortrag über den Aufklärer Jean Améry im Brechtbau der Uni Tübingen: Améry ist einer meiner Helden, der vermutlich mehr als jeder andere meine eigene Schriftstellerei beeinflusst hat. Doch über ihn zu schreiben ist so einschüchternd wie nur irgendetwas, denn kaum jemand schreibt so wunderbar wie er. Seine Klarheit, seine Leidenschaft, seine Ironie, sein Mut und sein untrüglicher Geschmack machten aus ihm einen Meister deutscher Prosa.“[1]

Jean Améry wurde am 31. Oktober 1912 unter dem Namen Hans Mayer in Wien geboren. Nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten ging er nach Belgien ins Exil. Als dieses besetzt wurde, trat er einer Widerstandsgruppe bei. Im Juli 1943 wurde er beim Verteilen von Flugblättern gegen die Besatzer verhaftet und in der Festung »Fort Breendonk« interniert und schwer gefoltert. Im Januar 1944 wurde er ins Konzentrationslager Ausschwitz eingeliefert. Es folgten weitere Verschleppungen ins KZ Mittelbau Dora und anschließend in das KZ Bergen-Belsen. Nach der Befreiung durch die Engländer am 15. April 1945 ging er zurück nach Belgien. [2] Über seine Verhaftung und die Zeit in den Konzentrationslagern veröffentlicht er 1966 eines seiner beeindruckendsten Bücher: »Jenseits von Schuld und Sühne«.

Skizze Amérys von Pieke Biermann im Februar 1970 in Hans Mayers Seminar in Hannover (© Biermann)

Lassen wir dazu Susan Neiman zu Wort kommen: Über ein Leben, das in den Provinzromantik begann und ihn durch Exil, Widerstand, Folter und Auschwitz geführt hat, wird man sicherlich sagen können, es sei von allem, was im 20. Jahrhundert entscheidend war, ergriffen worden. Erst recht, wenn sich dieses Leben durch eine ungeheure Belesenheit auszeichnet: Seine Kenntnis des modernen Denkens kann man im wahrsten Sinne des Wortes „intim“ nennen. Dass Améry sich mit großem Erfolg in Selbsterkenntnis übte, lag nicht allein daran, dass sein Leben als archetypisch gelten darf oder er es mit großer Intelligenz bewältigte, wovon der ständige Dialog zwischen Konkretem und Theoretischem zeugt. Vor allem seine ätzende Selbstkritik hat Anteil daran. Da er das Wort „luzide“ schätzte, konnte er auf das modischere „authentisch“ verzichten; was man zeigen kann, muss man nicht sagen.“

Diese Formulierung steht in seltsamer Kongruenz zu dem berühmten Schlusssatz von Ludwig Wittgensteins »Tractatus logico-philosophicus«. Mit dessen Schriften und dem Denken Kants war Améry sehr vertraut. Sie, aber auch die Schriften von Jean-Paul Sartre, haben sein Denken und Schreiben nachhaltig beeinflusst. Außer dem bestechenden Stil seiner Formulierungskünste ist sein Schreiben laut Neiman durch Wesen und Bedeutung des Subjekts und Verhältnis subjektiver Erfahrung zur Wirklichkeit geprägt. „Amérys Selbsterkundung nahm ihren Ausgang von der Erfahrung der absoluten Verneinung des Selbst. Lange nach Kriegsende erschütterte ihn jeden Morgen von Neuem jenes Brandmal, das in Auschwitz aus Hans Mayer den Häftling 172364 gemacht hatte und nun auf seinem Wiener Grabstein steht. Mit der Behauptung seiner Subjektivität reiht sich Améry in die altehrwürdige philosophische Tradition des Strebens nach Selbsterkenntnis ein; es ist auch ein Akt der Auflehnung.“

Das Thema des Buches »Jenseits von Schuld und Sühne« sind die „Grenzen des Geistes“. Zwanzig Jahre lang hatte Améry keine ihm geeignet erscheinenden Worte gefunden, um über 12 Jahre des Naziterrors zu sprechen. Mit dem Ausschwitzprozess von 1964 drängte sich ihm dann die Frage der Situation des Intellektuellen im Konzentrationslager auf. Im „Vollzug der Niederschrift“ auch mit welcher Methode er das Thema bewältigen konnte. Nicht in distanzierter wissenschaftlicher Betrachtung, sondern durch die Erzählung der eigenen „Opfer-Existenz“. Mit dieser Darstellung wendet er sich an die Deutschen, die „von den finsteren und kennzeichnenden Taten des Dritten Reiches nichts wissen wollen oder sich nicht mehr betroffen fühlen. Die Tortur, Schuld und Sühne sowie der Zwang und die Unmöglichkeit, Jude zu sein sind Themen des Buches.

Für Neiman die vernichtendste Anklage gegen die Vernunft, die sie gelesen hat: „Mit seinen Überlegungen zur Haltung der Intellektuellen in Auschwitz will Améry beschreiben, was geschieht, wenn sich die reine Vernunft dem absolut Bösen gegenübersieht. Seine Antwort fällt düster aus. Nicht allein, dass das absolut Böse den Sieg davontrug, es vernichtete den Intellekt in kürzester Zeit. Der Trost der Philosophie mag in einem römischen Gefängnis gewirkt haben, in Auschwitz blieb er nur ein paar Wochen. Dort, wie auch unter Folter der Gestapo wurde, was ein Mensch war, in bloßes Fleisch verwandelt. »Ein schwacher Druck mit der werkzeugbewehrten Hand reicht aus, den anderen samt seinem Kopf, in dem vielleicht Kant und Hegel und alle neun Symphonien und die Welt als Wille und Vorstellung aufbewahrt sind, zum schrill quäkenden Schlachtferkel zu machen.«[3] Die Leichtigkeit mit der sich alles, was wir Verstand, Seele oder Geist nennen, zerstören ließ, erstaunte Améry sein Leben lang. In Auschwitz ließ ihn die Vernunft vielfach im Stich.“

Im weiteren Verlauf ihres fesselnd-kämpferischen Vortrags ging Susan Neiman dann über zu Amérys Auseinandersetzung mit Adorno. Sie spannte dabei den Bogen von dem berühmten Zitat, dass „nach Ausschwitz ein Gedicht zu schreiben barbarisch ist“[4], bis zur Kritik an Adornos und Horkheimers »Dialektik der Aufklärung«. Dieses 1949 formulierte und 1951 erstmals veröffentlichte Verdikt Adornos hat eine vielfältige Debatte hervorgerufen. Einen guten Überblick dazu gibt Peter Stein in seinem Beitrag “Darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz ließe kein Gedicht mehr sich schreiben.”[5] Die Kritik Amérys hat Adorno wohl mehr zu einer Revision gebracht, als das immer wieder zitierte Gegenbeispiel von Celans »Todesfuge«. In der 1966 erschienen »Negativen Dialektik« schreibt Adorno: „Das perennierende Leiden hat soviel Recht auf Ausdruck wie der Gemarterte zu brüllen; darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz ließe sich kein Gedicht mehr schreiben. Nicht falsch aber ist die minder kulturelle Frage, ob nach Auschwitz noch sich leben lasse, ob vollends es dürfe, wer zufällig entrann und rechtens hätte umgebracht werden müssen. Sein Weiterleben bedarf schon der Kälte, des Grundprinzips der bürgerlichen Subjektivität, ohne das Auschwitz nicht möglich gewesen wäre: drastische Schuld des Verschonten. Zur Vergeltung suchen ihn Träume heim wie der, daß er gar nicht mehr lebte, sondern 1944 vergast worden wäre, und seine ganze Existenz danach lediglich in der Einbildung führte, Emanation des irren Wunsches eines vor zwanzig Jahren Umgebrachten.“[6]

Angeregte Gespräche beim Empfang nach dem Vortrag              Foto: HB

In verschiedenen Beiträgen kritisiert Améry die »Dialektik der Aufklärung«[7] von Adorno und Horkheimer, die er nach ihrem Erscheinen mit Begeisterung gelesen hatte.[8] Er konstatiert und darauf weist Neiman nachdrücklich hin: „Was hat sich ereignet, dass die Aufklärung zu einem ideengeschichtlichen Relikt wurde, gut genug allenfalls für emsig-sterile Forscherbemühtheit? Welche traurige Abirrung hat es dahin gebracht, dass zeitgemäße Denker Begriffe wie Fortschritt, Humanisierung, Vernunft nur noch unter vernichtenden Gänsefüßchen zu gebrauchen wagen?“[9] Diese Kritik findet sich in vielen anderen Aufsätzen Amérys. Die entgegen solchen Erfahrungen widerständige Haltung Amérys bringt Neiman auf den Punkt: „Im Einspruch gegen jedes der Vernunft zuwiderlaufende Vorkommnis finden wir den Wert des Menschen: Nur dank dieser Revolte gegen die Wirklichkeit sind wir fähig, Geschichte zu machen, Sinn und Würde zu schaffen. Wenn Amérys Verteidigung dieser Ideen so zu bewegen weiß, so ist der Nachweis ihrer Antithese nicht weniger schlagend. Denn kein anderer Autor hat Reflektion und Erfahrung so erfolgreich verbunden, um uns davon zu überzeugen, dass dieses Unterfangen spätestens nach Auschwitz zum Scheitern verurteilt ist.“

Amérys Ringen um die Bewältigung dieser Antinomie durchzieht sein gesamtes Werk. Damit, so Neiman, steht er auch in der Nachfolge Kants. Auf die Frage, wo er sich philosophisch verorte, bezeichnete er sich als existentialistischen Positivisten.[10] Der Blick des Aufklärers Améry war auf die Zukunft gerichtet. Wenn Améry hart mit Adorno in Gericht ging, so tut er dies noch viel nachhaltiger mit Foucault. Viele seiner Artikel über diesen und die anderen neuen Philosophen in Frankreich, mit deren Werken er außerordentlich gut vertraut war, kritisieren die neue Philosophie der Glucksmann, Lévy und anderer als alten Nihilismus.[11] Neiman pointiert: „So wie Améry es sieht, ist für Foucault und andere Strukturalisten „das System … alles, der Mensch nichts“, und dass, obwohl diese Autoren nur vage definieren, was das System ist. Wenn Struktur alles ist, wo bleibt dann noch Raum für menschliches Eingreifen? Tatsächlich, so Améry, gebe es für Foucault im historischen Prozess kaum so etwas wie Kausalität. Améry formuliert dem gegenüber: „Der Mensch als geschichtliches und moralisches Wesen ist frei nur, wenn er aus dem Panzer der Strukturen auszubrechen vermag; dass dies im Feld seines Möglichen liegt, hat er oft genug bewiesen.“[12] Foucault interessiert sich nicht für Beispiele von Befreiung, vor allem deshalb nicht, weil er glaubt, dass jede Befreiung sich bloß als eine subtilere Form der Unterdrückung entpuppt. „Mit diesem Manne ist nicht zu spaßen. Demystifikation ist sein unerbittliches Geschäft, Zerstörung humanistischer, melioristischer Illusionen sein brennendes Desiderat.“[13]

Neiman resümierte zum Schluss ihres Vortrages: „Wenn wir nicht anerkennen können, dass in der Vergangenheit, der ein oder andere Fortschritt erzielt worden ist, werden wir niemals den Willen in uns finden, weitere Fortschritte zu machen. Ein Werk, das darauf abzielt, alle früheren Fortschrittsversuche zu dekonstruieren, ist nicht bloß defätistisch – obgleich es das auch ist –, es kann vor allem nicht beanspruchen, links zu sein.“

Kein Wunder, dass in der an ihren Vortrag sich anschließenden Diskussion Amérys und auch ihr eigener kritischer Blick auf den fehlenden oder vernachlässigten Blick Adornos und Foucaults auf den Fortschrittsbegriff Thema der Debatte war.

In Kenntnis der Tübinger Debatte bemerkte der gastgebende Professor Eckart Goebel, der dankenswerterweise in seinem Begrüßungsstatement kenntnisreich die Rednerin vorgestellt hatte, an, dass der Geist Foucaults in der aktuellen Uni-Debatte durchaus virulent sei.

Mit ihren versierten Antworten zeigte die Direktorin des Einstein Forums, dass sie in der Debatte auf der Höhe der Zeit ist. Die vorgebrachten Gegenargumente brachten sie nicht davon ab, ihren fortschrittsbezogenen, kritisch linken Standpunkt aufrechtzuerhalten; ganz im Sinne Jean Amérys.

Über diesen – „seinen Freund und Doppelgänger“ – hatte Hans Mayer am 29. Oktober 1978 in seinen Gedenkworten in der »Akademie der Künste« formuliert: „Von Büchern, wie sie Jean Améry schrieb, hat ein Leser, der wirklich gemeint war, stets alles zu befürchten. Hier schrieb einer, der sich auskannte. Der wußte, was mit Worten wie Unfreiheit und Folter, Ohnmacht und Terror, aber auch wie Freiheit und Solidarität nur unzulänglich beschrieben werden konnte.“[14]

Heinrich Bleicher

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Wann und wo Professor Susan Neiman ihren Tübinger Vortrag veröffentlichen wird, ist noch offen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, ein aktuelles Interview mit ihr zu sehen. Der Stellvertretende Vorsitzende der Hans-Mayer-Gesellschaft hat mit ihr ein Gespräch für den Klett-Cotta-Blog geführt. In diesem Verlag sind die Werke von Jean Améry erschienen.

Siehe blog klett-cotta: http://blog.klett-cotta.de/sachbuch/nachgefragt-susan-neiman-spricht-ueber-jean-amery/

[1] Die Zitate aus Neimans Vortrag sind im Weiteren kursiv gesetzt.
[2]Zu den englischen Soldaten, die das KZ Bergen-Belsen befreiten, gehörte auch Harold Livingston (Helmut Löwenstein). Der in Stuttgart geborene Sohn des Mitbegründers der Mössinger Pausa, Artur Löwenstein, musste 1936 aus Schwaben fliehen. In England schloss er sich dem britischen Militär an. Im Alter von 22 Jahren sah er entsetzt das Grauen der Shoah in Bergen-Belsen. – Siehe dazu: Harold Livingston: Meine Erlebnisse nach der „Machtergreifung“ der Nazis. In: Irene Scherer, Welf Schröter, Klaus Ferstl (Hg.): Artur und Felix Löwenstein. Würdigung der Gründer der Textilfirma Pausa und geschichtliche Zusammenhänge, Mössingen 2013, S. 111-132.
[3] Jean Améry, Die Tortur, in: Jenseits von Schuld und Sühne, Stuttgart 2015, S. 73f.
[4] Das vollständige Zitat lautet: »Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frisst auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ist, heute ein Gedicht zu schreiben.« Theodor W. Adorno, Kulturkritik und Gesellschaft, in: Gesammelte Schriften Bd. 10/1, S. 30.
[5] Siehe Peter Stein Peter Stein, “Darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz ließe kein Gedicht mehr sich schreiben.” (Adorno) in: Weimarer Beiträge (1996), H. 4, S. 485 – 508.
[6] Theodor W. Adorno: Negative Dialektik, Frankfurt 1967, S. 353f. In seiner Vorlesung zur Metaphysik geht Adorno konkret auf Jean Amérys Essay zur Tortur – erschienen damals im »Merkur« – ein. Der Herausgeber dieser Schriften, Rolf Tiedemann, fügt dann auch die konkreten Textnachweise hinzu. Siehe: Theodor W. Adorno, Metaphysik -Begriffe und Probleme, Frankfurt 1998, S. 274 und 276f.
[7] Die erste gedruckte Auflage erschien 1947 im Querido-Verlag in Amsterdam. In leicht überarbeiteter Fassung wieder 1969 und 1971 als Taschenbuch. In den 60er Jahren als begehrter Raubdruck.
[8] Jean Améry, Aufklärung als Philosophie perennis, in Werke Bd. 6, S. 554.
[9] A.a.O., S. 549.
[10] Siehe dazu Jean Améry, Rückkehr des Positivismus? In Werke Bd. 6, S. 359- -373, insbesondere 363-365.
[11] Siehe Jean Améry, Neue Philosophie oder alter Nihilismus – Politisch-Polemisches über Frankreichs enttäuschte Revolutionäre (1978), in: Werke Bd. 6, S. 232-254.
[12] Jean Améry, Wider den Strukturalismus, in: Werke Bd. 6, S.105.
[13] Jean Améry, Michael Foucaults Vision des Kerker-Universums, in: Werke Bd. 6, S.211.
[14] Hans Mayer, Gedenkworte für Jean Améry, in Werke Bd. 9, S. 568f.

„Zwei Wirklichkeiten ineinandergeschachtelt“

E.T.A. Hoffmann zum 200. Todestag

Mit einem Hans Mayer gewidmetem Essay würdigt dessen US-Amerikanischer Übersetzer, Professor em. Jack Zipes, den Erzähler E.T.A. Hoffmann zum 200. Todestag am 25. Juni.

1958 hatte Hans Mayer im Aufbau-Verlag Berlin (Ost) das poetische Werk Hoffmanns in sechs Bänden herausgegeben. Im Vorwort dazu analysiert Mayer „Die Wirklichkeit E.T.A. Hoffmans. Er stellt fest: „Die erste Hoffmann-Erzählung (Ritter Gluck, HB) enthüllt bereits, daß Hoffmanns Wirklichkeitsauffassung der Eindeutigkeit entbehrt. Hier sind offenbar zwei Wirklichkeiten ineinandergeschachtelt“.[1] Und etwas später: „Die Zweiteilung der Wirklichkeit als Dualität gegensätzlicher Raum- und Zeitaufstellungen durchzieht gerade die wichtigsten Werke Hoffmanns.“[2]

In dem Essay den Zipes zur Einleitung von fünf Erzählungen Hoffmanns geschrieben hat, bezieht er sich auf Traumata in der kindlichen Entwicklung und schildert dieses Problem in Reflektion der tragischen Kindheit die Hoffmann erlebt hat. Dabei geht es ihm auch um Vergangenheitsbewältigung.

Nachfolgend einige Ausführung Jack Zipes. Der gesamte Text der Einleitung „E. T. A. Hoffmann, der verwundete Geschichtenerzähler und seine traumatischen Erzählungen“ steht als Download (s.u.) zur Verfügung.

Die Vergangenheit braucht nicht zu schweigen. Sie will sprechen und aktiv sein. Wir versuchen, die Vergangenheit wegen der Wunden, die wir erlitten haben, zu verdrängen. Die einzige Möglichkeit, die Vergangenheit nicht mehr zu verdrängen, besteht darin, sie mit Geschichten zu konfrontieren. Das ist das große Verdienst von E. T. A. Hoffmann.

Es gibt viele deutsche Volks- und Märchenschriftsteller aus der Vergangenheit, nicht nur die Brüder Grimm, die bedeutend waren und sind, weil sie begnadete “Zauberer” waren, die es verstanden, durch die Kraft und den Stil ihrer außergewöhnlichen Schreibweise die Vergangenheit in die Gegenwart zu holen. Manchmal, wie bei Hermann Hesse, haben ihre Märchen ihren Reiz verloren, weil die Konflikte, die sie schildern, uns nicht mehr betreffen oder berühren. Die Erzählungen verblassen und werden zu schönen Erinnerungen an eine Zeit, die einmal war. Ihre einst populären Werke rufen nicht mehr nach uns, und wir kehren zu ihnen zurück, um vor allem die Nostalgie zu befriedigen.

Das ist bei E. T. A. Hoffmann und seinen Werken ganz und gar nicht der Fall. Seine Märchen wurden als krank, seltsam, wunderbar, eigenartig, befremdend, schrecklich, dunkel, sinnlos, verstörend und erschreckend bezeichnet. Niemals erhellend. Dennoch haben sich Schriftsteller, Musiker, Dramatiker, Künstler und Filmemacher von ihnen angezogen gefühlt und sie für die Bühne und die Leinwand adaptiert, weil sie in den Märchen etwas Lebendiges gefunden haben, das Hoffmann mit der Welt teilen wollte. Manchmal sind sie nahe dran, die verstörenden Elemente von Hoffmanns Werken zu erfassen, weil sie wie er gelitten haben. Sie haben sogar versucht, sie für Kinder annehmbar zu machen, aber die Geschichten sind zu komplex und schockierend, es sei denn, man ist Maurice Sendak und dafür bekannt, verwundet und subversiv zu sein, wie Hoffmann es war. Aber auch hier war Sendak nur ein Künstler unter vielen bedeutenden Schriftstellern und Dichtern, die von Hoffmann beeinflusst wurden, wie Tochetti, Edgar Allen Poe, Charles Baudelaire, Nikolai Gogol, Charles Dickens und zahlreiche andere, die die umwerfenden, phantasievollen Werke Hoffmanns nicht übertreffen konnten. In der Tat sollte die Krankheit seiner Erzählungen Hoffmann und seinen Lesern helfen. Die Essenz von Hoffmanns Erzählungen ist zumeist so persönlich, dass niemand Hoffmanns herzergreifende Krankheit wirklich verstanden hat und vielleicht auch nie verstehen wird. …

Es ist klar, dass Hoffmann ein Leben lang Opfer und Heiler von Traumata war, und durch sein Erzählen, sei es durch das Schreiben von Geschichten, das Zeichnen von Skizzen, das Komponieren von Musik und das Knüpfen von Freundschaften in seinem Serapion-Club, wurde er zu einem Heiler – einem Heiler derjenigen, die bereit waren, seine ergreifenden Geschichten zu hören und zu lesen. Hoffmann hat sich nicht auf ein bestimmtes Publikum oder eine bestimmte Gruppe von Lesern konzentriert. Angesichts seiner eigenen Interessen und der Förderung eines gegenkulturellen Denk- und Lebensansatzes vertrat Hoffmann jedoch eine Position, die seine Unzufriedenheit mit dem zivilisatorischen Prozess seiner Zeit zum Ausdruck brachte und die bis in unsere Zeit hineinreicht.

Hoffmanns unglückliche Kindheit begleitete ihn fast sein ganzes Leben lang, und anstatt sich der Misshandlung zu ergeben, verwandelte er die meisten dieser Störungen durch das Erzählen von Geschichten in Kunst. Das ist meiner Meinung nach der Grund, warum seine Erzählungen immer noch eine starke Wirkung haben. Wenn Hoffmann heute von Bedeutung ist – und das ist er zweifellos -, dann deshalb, weil ihn die Art und Weise, wie Erwachsene Kinder misshandeln, sehr beunruhigt hat und weiterhin beunruhigt. Meiner Meinung nach ist diese Besorgnis die Grundlage dafür, dass er heute Leser auf der ganzen Welt anspricht, denn wir leben in einer Zeit, in der Kinder wie schweigsame Figuren in einem Schachspiel behandelt werden…

Bevor ich darauf eingehe, wie sehr das Trauma in den fünf Erzählungen des vorliegenden Bandes eine Rolle spielt, möchte ich kurz auf einige der großen traumatischen Ereignisse in Hoffmanns Leben eingehen, um zu zeigen, dass sein Schreiben eine Form der Auseinandersetzung mit Kindlichkeit und Trauma angenommen hat. Darüber hinaus möchte ich argumentieren, dass wir von seinem “traumatischen” Schreiben angezogen werden, weil wir alle eine Art von ähnlichem Missbrauch erlebt haben. In der Tat kann niemand in zivilisatorischen Prozessen, die Gehorsam und Loyalität gegenüber willkürlichen Gesetzen und Traditionen fordern und erzwingen, Traumata vermeiden. Wir alle werden geboren, um von unseren Eltern und der Gesellschaft gepflegt zu werden, und diese Pflege kann uns zu Automaten formen oder uns krank machen, was Hoffmann in der Geschichte über das Sandmännchen zu enthüllen suchte. Noch drastischer ist jedoch, dass er aufdeckt, wie grausam und missbräuchlich die “normalen” und zufriedenen Erzieher und Politiker unserer Institutionen sind. Die meisten der jungen Menschen in Hoffmanns Werken wünschen und erträumen sich eine traumhafte Zukunft, ein künstliches Paradies, aber ihre Zukunft wird von banalen gesellschaftspolitischen Erwartungen und Forderungen diktiert, die sie in den Wahnsinn treiben. Obwohl Hoffmann Mitglied der herrschenden Klasse in Berlin wurde, war er in dieser Position nie glücklich und versuchte noch bei seinem Tod, die Ungerechtigkeiten aufzudecken, die junge Menschen ertragen mussten. …
In den fünf hier vorgestellten Erzählungen werden einige der Protagonisten auf tragische Weise von ihren Traumata überwältigt, während andere wieder zu sich selbst finden und ihr Glück finden. Allerdings können wir nicht sicher sein, dass dieses Glück von Dauer ist in einer Gesellschaft, in der es normal ist, junge Menschen zu missbrauchen und sie zu zwingen, die strengen Gesetze eines rigiden Zivilisationsprozesses zu befolgen. Die phantastischen Konflikte in allen fünf Erzählungen spiegeln Hoffmanns Sorge um die jungen Menschen wider und zeigen, dass der Widerstand gegen das, was als normal und anständig gilt, der Schlüssel zum Überleben ist.“

Wir danken Prof. em Jack Zipes ganz herzlich für seinen Hans Mayer gewidmeten Essay und freuen uns, dass er mit seiner Einleitung zu den fünf Texten einen neuen, spannenden Blick auf den vor 200 Jahren verstorbenen Erzähler E.T.A. Hoffmann richtet.

(Übersetzung des Textes Heinrich Bleicher)

[1] E.T.A. Hoffmann, Poetische Werke, Erster Band, Berlin 1958, Vorwort Hans Mayer, S. VIII
[2] A.a.O., S. X

“Die unerschrockensten Gedanken”

Zum 20. Todestag von Hans Mayer

Am Montag, dem 28. Mai 2001, 9 Tage nach seinem Tod in Tübingen, ist Hans Mayer auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt worden. Eine große Trauergemeinde, mit zahlreichen Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie Prominenz aus den Bereichen Musik und Theater sowie Wissenschaft und Verlagen bis hin zum Bundespräsidenten Rau, war versammelt. Unter ihnen auch seine Schülerinnen und Schüler sowie Freunde und Freundinnen wie Inge und Walter Jens, Christa Wolf, Christoph Hein und Volker Braun. Letzterer hat für das im Februar erschienene Buch mit Gesprächen über Hans Mayer[1] den nachfolgenden Beitrag beigesteuert:

In den Ruinen des Jahrhunderts sieht Hans Mayer, der Hundertjährige, eine Wegwerfgesellschaft“, schrieb ich 1998, überzeugt, daß er das Alter erreiche – sein Selbstgefühl gab ihm unerhörte Spannkraft, und daß er sein Zeitalter wie kein anderer auffaßte. Schon im Leipziger Hörsaal 40 waren wir generös bedient worden, und noch der Greis äußerte die unerschrockensten Gedanken: die bürgerliche Gesellschaft verschwindet, der Kapitalismus bleibt. Kulturschöpfung und Kulturzerstörung; das Selbstgefühl, „so eine Lebenstatsache in mir“, ließ ihn nicht irre werden an der geschichtlichen Handlungsfähigkeit, und ich hörte ihn Karl Kraus zitieren:

                    Immer noch meint Ihr, es gehe um Meinungen,
                    aber der Widerspruch ist in der Welt.

Ein Großer seines Metiers wird uns deutlich in seinen charakteristischen Stücken: der Versuch über den Erfolg Goethes, vielmehr dessen Mißerfolge, und Die plebejische Tradition Brechts gehören unbedingt dazu. Ich habe ihn im Witz schwelgen und in jähem Zorn gesehn, oder eins nach dem andern, in der Gasse des Frankfurter Theaters, bei der Brecht-Ehrung zu lange mit seiner freien Rede wartend, in der Akademie der Künste, als dem hundertjährigen Jünger gehudelt wurde, im Hotel Excelsior in Köln, als wir am 18. 3. 1990 das Wahlergebnis erfuhren. Der Verletzliche, rohe Verhältnisse fliehend, der Deutsche auf Widerruf, hatte eine größte Tugend: Gerechtigkeit, Erinnerung an eine Deutsche Demokratische Republik. Und wer (die Lumpen wagen es alle nicht), durfte in sein Buch über die Deutschen schreiben: Im Herzen kündet es laut sich an: Zu was Besserm sind wir geboren. – Als ich nach seiner Beerdigung die Chausseestraße überquere, fragt ein altes schlumpiges Weib: Wat for eine Arroganz is nu wieder gestorben? – Nein, leugne, ich – Diepgen etwa? – Nein, meine Dame, ein Herr.”

Grab Hans Mayers (Foto: HB)

Nach der Geburt in Köln 1907 und der Studienzeit, Jahren des Exils in Frankreich und der Schweiz, seinen Professuren in Leipzig und Hannover und dem langen Lebensabend in Tübingen hat er auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chauseestrasse in Berlin neben dem Brecht-Haus seinen letzten Ort gefunden. In der Nähe seines Grabes befinden sich u.a. die Ruhestätten von Bertolt Brecht, Heinrich Mann, Anna Seghers und Georg Wilhelm Friedrich Hegel aber auch zahlreicher Schriftstellerkolleginnen und Kollegen, die er in seinem langen Leben persönlich gekannt hat.

[1] Der unbequeme Aufklärer – Gespräche über Hans Mayer, Herausgegeben mit einer Einleitung von Heinrich Bleicher, Mössingen-Talheim 2022. Weitere Informationen zu diesem Buch aus dem Talheimer-Verlag finden sich hier: https://tinyurl.com/2p8x37ph

 

„Das unbefangen Menschliche“

Zur Erinnerung an Peter Brückner

„Den sechzigsten Geburtstag hat er nicht mehr erlebt. Geboren am 13. Mai 1922 in Dresden, starb Peter Brückner, Professor der Sozialpsychologie an der Universität Hannover, am 10. April 1982 in Nizza, wo er sich Erholung erhoffte von der Krankheit und – vielleicht – für die Wiederaufnahme seiner Lehrtätigkeit. Kurz vor Brückners Tode nämlich waren, zu Ende des Jahres 1981, alle disziplinarischen Maßnahmen und “Suspensionen” aufgehoben worden, mit denen man fast ein Jahrzehnt lang, seit 1972, einen scheinbar Unwürdigen vom akademischen Lehramt fernzuhalten gedachte.“[1]

“Ich bin, wenn ich gehe”      Quelle:Peter Brückner-Archiv.

So beginnt Hans Mayer seinen Artikel über „einen bedeutenden Kollegen und Freund“ in der »Zeit« zum Thema »Leben und Denken: Selbstbefreiung in der normalisierten Welt«.

Brückner, so erläutert Hans Mayer, hatte nicht die „notwendige und übliche Rücksicht eines Hochschullehrers“ gezeigt. In großen Lettern hatten die Zeitungen ihr Urteil über den Mann gesprochen, der Ulrike Meinhof und einem Begleiter aus der RAF nach der gewaltsamen Befreiung von Andreas Baader 1970 Unterschlupf gegeben hatte. Brückner war schon lange Jahre vorher befreundet gewesen mit der Psychologieprofessorin Renate Riemeck und ihrer Adoptivtochter Ulrike Meinhof.

Drei Jahre lang, bis zu seinem Freispruch 1975, wurde Peter Brückner als „Komplize, Sympathisant und geistiger Wegbereiter der Terroristen um Baader und Meinhof angeprangert.“[2]

Hans Mayer hatte sich auf seine Zeit als Volljurist besonnen und eine Stellungnahme verfasst, die im April 1972 in den »Frankfurter Heften« veröffentlicht wurde. Nach umfangreicher juristischer Argumentation war Mayer zu dem Schluss gekommen: „Würde Peter Brückner – im Namen der Staatstreue – aus dem Lehreramt entfernt, so wäre das kein Vollzug, sondern eine Verletzung des Grundgesetzes.“[3]

Der Psychologieprofessor sei in seiner Forschung und Lehre folgerichtig geblieben. Er habe die Freiheit des Gelehrten erfüllt und nicht verraten. Er habe den „Prinzipien radikaler Aufklärung, wie sie sich als Postulat wiederfinden im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland“ die Treue gehalten und „nicht einer gesellschaftlichen Ordnung, die er als Unordnung interpretiert, einer Freiheit, die ihm in der Analyse höchst unfrei und befreiungswürdig vorkam.“[4]

Später, nach dem Mord am Bundesanwalt Buback, hat Brückner zusammen mit anderen Hochschullehrern die Veröffentlichung eines als fragwürdig genannten Aufrufs übernommen, von dem er sich inhaltlich distanziert hatte. Er wollte verhindern, dass man Zensur übe und Meinungsfreiheit in der politischen Diskussion unterdrücke. Der Artikel „Buback – ein Nachruf“ erschien am 25. April 1977 in der Zeitung des AStA der Universität Göttingen und löste eine breite, in allen Medien diskreditierende und verfälschende Diskussion aus.

Für Brückner bedeutete das als „Mescalero-Affäre“ benannte Verfahren Hausverbot an der Uni und eine Anklage. Ausführlich äußerte sich Brückner dazu in seinem Buch »Die Mescalero-Affäre – Ein Lehrstück für Aufklärung und politische Kultur«[5]

Kenntnisreich und äußerst zutreffend analysiert Brückner diesen Artikel.[6] Das wird aber weder in der herrschenden Politik noch in der „Veröffentlichten Meinung“ verstanden und anerkannt. Die einzige Ausnahme ist ein Artikel im Tagessspiegel vom 12. August 1977.[7] Nach einer Reihe von Gerichtsverfahren wurde Peter Brückner 1981 von der Suspendierung freigesprochen. Unter schwierigsten Bedingungen hat er seine Aufklärungsarbeit und Unterrichtstätigkeit außerhalb der Universität z. B. im »Club Voltaire« fortgesetzt. 1980 erschien im Verlag Wagenbach, der seinem Autor die Treue hielt, das Buch »Das Abseits als sicherer Ort«[8], in dem Brückner seine Kindheit und Jugend zwischen 1933 und 1945 erzählt.

Mit diesem Buch ging Peter Brückner auf Lesereise. Der Autor dieses Artikels hatte das Glück, an der Universität Münster bei einer dieser Lesungen dabei zu sein. Noch beeindruckender das Treffen danach in der bekannten Münsteraner Kneipe „Der Pulverturm“. Es gelang, einen Sitzplatz neben Brückner zu ergattern und der Abend wurde zu einem der beeindruckendsten politischen Gespräche mit dem so überzeugenden und menschlich so warmherzigen Menschen. Vom Tag danach standen die Bücher von Peter Brückner wieder auf dem Leseplan. Es gab viel zu lernen, zum Beispiel von dem Buch, »Versuch, uns und anderen die Bundesrepublik zu erklären«.[9]

Jahre später stieß ich auf den Film »Aus dem Abseits«, einen preisgekrönten Film von Simon Brückner über seinen Vater.[10] Man sollte ihn unbedingt sehen. Unter dem Brecht-Titel »Ich bin, wenn ich gehe“ erinnerten Zeitgenossen wie Hans Mayer, Oskar Negt und Axel-R. Oestmann zu seinem 70. Geburtstag an Peter Brückner. Zum 100. Geburtstag am 13. Mai, wird auch das Peter Brückner Archiv in Hannover an ihn erinnern und auf den Zugang und Dokumente über sein Leben und seine Arbeit verweisen.[11]

Die Grabplatte Peter Brückners Foto: HB

Im September 2021 war ich in Nizza und hatte mir vorgenommen, das Grab von Peter Brückner zu besuchen. Es war nicht einfach zu finden auf dem Cimetère de l’Est, Nice. Die mir mitgeteilte Angabe des Grabes traf nicht zu. Bei viel zu heißem Wetter fand ich es dann schließlich: Grab-Nr. 134526, Case 39.

Auf seltsame Weise kontrastierte diese Suche mit der Beschreibung von Barbara Sichtermann. Sie schreibt: „Ich erinnere mich an die kleinen grauen, nervösen Vögel, die über dem Grab meines Mannes auf dem Cimetière de l’Est von Nizza herumflatterten. Und an die hageren, langsamen, flüsternden Witwen, die in unförmigen Plastikbehältern Wasser über die Kieswege schleppten. Es ist hier üblich, nur den Namen und das Geburts- und Todesjahr in die uniformen Grabplatten zu meißeln. Ich ließ die Städtenamen unter die Ziffern setzen: Dresden und Nizza.“[12]

»Das unbefangen Menschliche«[13] heißt das aktuelle, im Wagenbachverlag erschienene Buch mit Artikeln von Peter Brückner, einschließlich von Kommentaren dazu. Wer mit der Brückner-Lektüre beginnen will, sollte es lesen. „Wie kaum ein anderer vermittelt er denkend zwischen radikaler Utopie, dem Aushalten von Widersprüchen, zwischen Solidarität und Autonomie.“

Heinrich Bleicher

[1]  Hans Mayer, Peter Brückner: Leben und Denken: Selbstbefreiung in der normalisierten Welt, in:  Zeit Nr. 48/1984 vom 23. November 1984
[2] Stephan Lohr, Brücker im Recht – Freispruch zweiter Klasse?  Zeit Nr.43/1975 vom 17. Oktober 1975
[3] Zitiert nach Hans Mayer, Professor Brückner und die Staatstreue, in: ders., Zeitgenossen, Frankfurt am Main 1998, S. 79-99, hier S. 97
[4] Ebenda, S.96f
[5] Peter Brückner, Die Mescalero-Affäre – Ein Lehrstück für Aufklärung und politische Kultur, Hannover 4.  erweiterte Auflage 1981
[6] Siehe ebenda, S. 27-39
[7] A.a.O., S. 51
[8] Peter Brückner, »Das Abseits als sicherer Ort – Kindheit und Jugend zwischen 1933 und 1945«, Berlin 1980
[9] Peter Brückner, Versuch, uns und anderen die Bundesrepublik zu erklären, Berlin 1978
[10] Man kann ihn z.B. bei „Sooner sehen“ Siehe: https://www.missingfilms.de/index.php/filme/14-filme-katalog/203-aus-dem-abseits
[11] Siehe: https://www.tib.eu/de/recherchieren-entdecken/sondersammlungen/peter-brueckner-archiv
[12] https://archive.ph/20171028232117/http://www.zeit.de/1999/14/199914.erinnern.3_.xml#selection-475.0-485.12
[13] Das unbefangen Menschliche – Peter Brückner lesen, Berlin 2022

 

„Wir haben viel von ihm gelernt“

Hans Mayer zum 115. Geburtstag

Knapp einen Monat vor seinem 40. Geburtstag wurde Hans Mayer am 24. Februar 1947 zum Vorsitzenden der »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes« VVN Hessen gewählt. Der Zeitungsbericht vom 25. Februar merkt zu seiner Person an, dass er „früher bei Radio Frankfurt“ gearbeitet hatte. Dorthin hatte ihn im Mai 1946 Golo Mann als amerikanischer Kontrolloffizier für den Hessischen Rundfunk von der Nachrichtenagentur Dana, der späteren Deutschen Presseagentur (dpa), abgeworben.[1]

Beim Rundfunk war Mayer als Chefredakteur für Nachrichten und Politik zuständig. Unter anderem führte er in der Redaktion Gespräche mit dem Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem SPD-Vorsitzenden Kurt Schuhmacher.[2] Als Chefredakteur hat er auch am „Nürnberger Prozeß“ teilgenommen und zu dem Urteil über die Kriegsverbrecher am 2. Oktober 1946 einen Kommentar verfasst.[3]

Der Wechsel zum Rundfunk hatte Mayer auch eine „hübsche Wohnung“ in der Parkstraße nicht weit von seinem Arbeitsplatz ermöglicht. Sein „Status als Verfolgter des Naziregimes“ verbesserte auch seine materiellen Lebensumstände.[4] Die VVN hatte in den frühen Jahren nach dem Krieg einen wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert. Neben der Sicherung der Existenz der politisch Verfolgten setzte sich die überparteiliche und überkonfessionelle Vereinigung auch für das Streben nach Wiedergutmachung für die erlittenen Verfolgungen ein. Allgemeine Ziele waren zum Beispiel die Mitwirkung an der Entnazifizierung, wozu auch die Bekämpfung der „Persilschein-Ausstellung“ in den eigenen Reihen gehörte. Wichtig waren ebenfalls die Einrichtungen für Kranken- und Erholungsheime. Dies geschah auch in Zusammenarbeit mit den Bruderorganisationen der VVN im Ausland.

Vom 15. bis 17. März 1947 fand in Frankfurt die „1. Interzonale Länderkonferenz der VVN“ statt. Sie gilt als die bundesweite Konstituierung der bisher regional existierenden VVN-Verbände. Anwesend waren auf dieser Konferenz 68 Delegierte der 4 deutschen Besatzungszonen und der Stadt Berlin und 62 Gäste aus 21 Ländern. „Mit allem Nachdruck forderten die … Vertreter von 250.000 Überlebenden des faschistischen Terrors eine Wiedergutmachung, die sie als eine politische moralische und rechtliche Pflicht des deutschen Volkes betrachteten.“[5]

In seiner Rede an den Kongress stellt Hans Mayer, Mitbegründer der VVN, deutlich heraus, dass sich knapp eineinhalb Jahre nach dem Ende des Naziregimes die Hoffnungen der Anfangsphase deutlich geändert haben. Es gehe darum ein „neues Antlitz“ Deutschlands zu zeigen:

„Und wie muss dieses neue Antlitz aussehen? Damit spreche ich von uns, den Männern und Frauen des deutschen Widerstandes, den Verfolgten des Naziregimes. Wir haben heute im deutschen Volk eine gute Presse. Wir wollen uns keinen Illusionen hingeben. Vor eineinhalb Jahren glaubten wir, ein wirklicher Aufbau Deutschlands von unten nach oben auf gesunder demokratischer Grundlage sei möglich, bei der diejenigen Menschen, die sich im Widerstand am besten bewährt hatten, die wirklich Opfer der politischen und religiösen Überzeugung gebracht hatten, dass es diesen Menschen vorbehalten sein sollte, auch diejenigen Kräfte zu stellen, die den deutschen Neuaufbau leiten können. […]

Wir wissen, dass es eine Illusion war, und es war für uns eine schmerzliche Erfahrung, zu sehen, daß schrittweise … immer mehr diejenigen Kräfte, die sich wirklich im Antinazikampf bewährt haben, aus der Öffentlichkeit weggezogen, weggezerrt, weggedrückt werden, um ersetzt zu werden, durch wen? Durch die Ewiggestrigen, die Ewigheutigen, die nur eine Garantie ganz bestimmt der deutschen Gegenwart und Zukunft geben werden, nämlich, daß sie immer wieder bereit sein werden, bei aller Schlechtigkeit des jeweiligen Regimes sich zur Verfügung zu stellen.“

Abschließend stellt Mayer fest: „Unsere Aufgabe ist, über alle Parteien, Bekenntnisse und Abstammung hinweg eine Vereinigung der Menschen zu schaffen, die warnen, die aufpassen, die den Zeigefinger heben, und die schreien, und die notfalls mit allen Mitteln der Kraft der Zahl und der Überzeugung, die sie verkörpern, der Welt zeigen, wie notwendig es ist, gegen den Nazismus zu kämpfen.“[6]

Klare Positionierungen wie diese und andere ähnliche Beiträge im Rundfunk waren am Vorabend des „Kalten Krieg“ von Seiten der Amerikaner nicht mehr erwünscht. „Daß meine Kommentare zur Außenpolitik immer stärker mißfielen im amerikanischen Hauptquartier, wurde mir hinterbracht. […] Ich bekam ein Staatsbegräbnis. Am nächsten Tag (nach einem Kommentar über Tito, HB) wurde ich vom Intendanten und der Versammlung aller Redakteure verabschiedet.“[7]

Mayer war arbeitslos. Die Rettung kam von Seiten der SPD und Gewerkschaften. Am   12. April 1947 fand die offizielle Wiedereröffnung der Akademie der Arbeit in der Aula der Johann Wolfgang Goethe-Universität unter Beteiligung der amerikanischen Militärregierung, des hessischen Kabinetts, der Stadtverwaltung und zahlreicher Gewerkschafter, Betriebsräte und Vertreter der Industrie- und Handelskammer sowie aller politischen Parteien statt. Die Leitung der Akademie übernahm Franz Joseph Furtwängler. Dieser bot Hans Mayer eine Stelle als Dozent für Gesellschaftswissenschaft an. Inhaltlich gesehen knüpfte diese Tätigkeit an die Arbeit für Horkheimers Institut für Sozialforschung in der Zeit des Exils an und Mayer stellte sich freudig dieser neuen Aufgabe.[8]

Intensiv kümmerte er sich aber auch um Aktivitäten der VVN. Konkret um die alltäglichen Hilfsaufgaben in der schweren Nachkriegszeit, aber auch als Redner bei verschiedenen Tagungen wie der „Internationalen Juristenkonferenz des Rates der VVN vom 20. bis 22. Mai, wo er die Eröffnungsrede hielt. Mit dabei war er auch bei der „Internationalen Gedächtniskundgebung für die Opfer des faschistischen Terrors“ vom 10.-12. September in Berlin oder nach der Aufnahme der VVN in die »Fédération Internationale des Résistants« FIAPP bei Beratungen vor dem Rat der VVN.[9]

Als Vorsitzender der VVN konnte Hans Mayer auch am „Ersten deutschen Schriftstellerkongress“ vom 4.-8. Oktober in Berlin teilnehmen. Unter dem Vorsitz von Ricarda Huch, Günther Weisenborn und anderen tagten dort zum ersten und letzten Mal in jener Zeit Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus allen Besatzungszonen. Sowohl diejenigen, die bereits aus dem Exil zurückgekehrt waren als auch solche, die die Zeit des Nazifaschismus in der inneren Emigration verbracht hatten.[10] Nach einem Beitrag von Anna Seghers sprach Hans Mayer zum Thema „Der Schriftsteller und die Gesellschaft“.[11] Für die »Frankfurter Hefte« schrieb Mayer einen Bericht über den Kongress. Er endet mit den Worten: „Der Schriftsteller ist ohnmächtig, wenn er abermals, wie in den vergangenen Jahren, das Objekt von Gewalten abgibt, die nicht aus seiner Sphäre sind, aus der Sphäre des Wortes und des Geistes. Er ist ohnmächtig, wenn er nicht die Gewalt des >j´accuse< kennt und anzuwenden weiß, die Macht des anklagenden Wortes. Von solcher Entscheidung, die jeder für sich treffen muss, hängt die Zukunft in der deutschen Literatur ab. Das wenigstens ist uns in Berlin klar geworden.“[12]

Von Berlin reist Mayer weiter nach Leipzig, wo er auf Einladung und in Vorbereitung der ihm zugesagten Professur für Weltliteratur drei Vorlesungen hielt. Eine davon über „Frankreich zwischen den Weltkriegen“. Ein umfangreicherer Text dazu war 1945 im Verlag der Exilzeitschrift „Über die Grenzen“ erschienen, für die Mayer in der Schweiz gearbeitet hatte. Die Wiederauflage 1946 im Oberbadischen Verlag Singen erschien unter dem Titel „Von der Dritten zur Vierten Republik – Geistige Strömungen in Frankreich 1939-1945“.[13] Auch darin plädiert er für die Verantwortlichkeit des Geistes. „Alle Literatur muss heute danach befragt werden, ob und mit welcher Kraft sie der Humanität und der menschlichen Emanzipation zu dienen vermochte.“[14]

An seinen Erfahrungen und Lernprozessen aus dem Exil und den daraus resultierenden Forderungen und Aufgaben, die er nach dem Krieg von Anbeginn vertreten hatte, hat Mayer sein ganzes Leben lang festgehalten. Immer auch mit vehementem politischen Anspruch, aber nicht im Sinne einer Parteipolitik. Der Organisation der Verfolgten des Naziregimes und ihren Zielen ist er treu geblieben. Angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf die Ukraine, aber auch das Erstarken des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik haben die Forderungen zur Gründung der VVN weiterhin Aktualität: Nie wieder Faschismus, für Frieden und Freiheit.

Am 19. Mai 1999, auf den Tag genau zwei Jahre vor seinem Tod, wurde ihm die VVN-Ehrenmitgliedschaft durch deren Kreisvereinigung Tübingen-Mössingen verliehen. Er revanchierte sich mit einem Vortrag zum Thema „Jahrgang 1907 – Rückschau auf das Jahrhundert.“ In der Traueranzeige im Mai 2001 dankte die VVN ihrem Mitbegründer dem „Homo doctus – Homme de lettres – Sozialist ohne Parteibuch Verkörperung eines besseren Deutschland mit den Worten: „Wir haben viel von ihm gelernt“.

Heinrich Bleicher

[1] Siehe Hans Mayer, Ein deutscher Auf Widerruf -Erinnerungen I, Frankfurt 1982, S.336
[2]Siehe ebenda, S.360 ff
[3] Siehe ebenda, S. 342 ff
[4] Siehe ebenda S. 334 und 353
[5] Ulrich Schneider, Zukunftsentwurf Antifaschismus: 50 Jahre Wirken der VVN für »eine neue Welt des Friedens und der Freiheit«, Bonn 1997, S. 21
[6] A.a.O., S.22
[7] Hans Mayer, Erinnerungen I, S. 373 f
[8] Hans Mayer, Erinnerungen I, S. 378 ff
[9] Siehe dazu Jens Rüggeberg/Ulrich Schneider, Hans Mayer Widerstandskämpfer – Emigrant -Antifaschist, Bonn 0.J. (2007), S. 26 ff
[10] Siehe Hans Mayer, Erinnerungen I, S. 387-396
[11] Siehe Erster Deutscher Schriftstellerkongress 4.-8. Oktober 1947, herausgegeben von Urusla Reinhold, Dieter Schlenstedt und Horst Tanneberger Berlin 1997, S. 208-212
[12] Hans Mayer, Erinnerungen I, S. 395 f
[13] Hans Mayer, Von der Dritten zur Vierten Republik, Singen 1946
[14] A.a.O., S. 76