Herzlichen Glückwunsch Pieke!

Mit ihrer grandiosen Übersetzung des Romans »Oreo« von Fan Ross hat Pieke Biermann den diesjährigen Preis für Übersetzungen der Leipziger Buchmesse gewonnen.
Hierzu gratuliert der Vorstand der Hans-Mayer-Gesellschaft seinem Gründungsmitglied sehr herzlich.
Pieke Biermann studierte Deutsche Literatur und Sprache bei Hans Mayer sowie Anglistik und Politikwissenschaft in Hannover und Padua. Seit 1976 ist sie freie Schriftstellerin und Übersetzerin, u.a. von Stefano Benni, Andrea Bajani, Dacia Maraini, Agatha Christie und Dorothy Parker. Nach dreimaliger Auszeichnung mit dem Deutschen Krimipreis ist ihr nun ein großartiger Erfolg mit der Übersetzung eines „Außenseiter“-Romans aus den 70er Jahren gelungen.
Das Urteil der Jury: „Fran Ross führt ihre Leser in ein widersprüchliches Amerika. Wie Pieke Biermann diesen temperamentvollen Text voller jiddischer Anleihen und Südstaaten-Slang übersetzt hat, ist ein einziger Genuss.“
Der DTV-Verlag über den Inhalt des Buches: „Oreo von Fran Ross ist ein bereits in den 70er Jahren erschienenes, kaum beachtetes, dann wiederentdecktes und jetzt übertragenes Buch über kulturelle Identitäten. Seine Autorin wurde 1935 als Tochter eines jüdischen Vaters und einer schwarzen Mutter geboren – wie ihre Romanheldin, die 16-jährige Christine, genannt „Oreo“, die sich in New York auf die Suche nach ihrem Vater begibt. Dort trifft sie unglaubliche Leute: einen „Reisehenker“, der Manager feuert, einen Radio-Macher, der nicht spricht, einen tumben Zuhälter und endlich auch ihren Vater. Nicht jeder ist ihr wohlgesinnt. Aber Oreo überlebt alles dank ihres selbsterdachten Kampfsports WITZ.“
Auf den inhaltlichen Kern von »Oreo« geht der in Berlin lebende Lyriker Max Czollek in seinem Nachwort ein:
„»Oreo« ist ein großartiger Versuch, der Komplexität menschlicher Identitäten gerecht zu werden – kein identitätspolitisches Statement, sondern eine literarische Antwort auf die damals wie heute brennende Frage nach Verbindungen zwischen angeblich Gegensätzlichem – beispielsweise Schwarz und Weiß oder Jüdisch und Nichtjüdisch -, die in den herrschenden Narrativen kaum vorkommen.“
Die Geschichte einer jungen, schwarz-jüdischen Frau, die, nachgedichtet dem griechischen Theseus-Mythos, im New York der 70ger Jahre auf der Suche nach ihrem Vater ist, hier beschreibend nachzuerzählen, wäre müßig. Man/frau sollte das Buch über den „feministischen Anti-Theseus“ einfach lesen, um in den grandiosen Genuss einer hochaktuellen Geschichte zu kommen.

Heinrich Bleicher-Nagelsmann